"Den ganzen Dreck abholen"

10. Juni 2002, 14:10
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Ingmar Bergman übergab Privatarchiv für Forschungszwecke an Schwedens Filminstitut

Stockholm - Der schwedische Filmregisseur Ingmar Bergman hat sein komplettes Privatarchiv für Forschungszwecke an das Schwedische Filminstitut übergeben. Wie die Institutschefin Ase Kleveland bestätigte, sind 45 Kisten mit Originalmanuskripten, Regiebüchern, Briefen, Fotos und unveröffentlichten Novellen des 83-jährigen Künstlers aus dessen Haus auf der kleinen Ostseeinsel Farö in die schwedische Hauptstadt gebracht worden. Der Regisseur stellte den Wissenschaftlern außerdem das gesamte im schwedischen Nationaltheater "Dramaten" gelagerte Material über seine dortige Arbeit als Regisseur mit insgesamt 36 Inszenierungen zur Verfügung.

Filmaufnahmen über Dreharbeiten

Bergman gilt als einer der bedeutendsten Filmregisseure des 20. Jahrhunderts mit Filmen wie "Wilde Erdbeeren" (1957), "Jungfrauenquelle" (1959), "Das Schweigen" (1962), "Szenen einer Ehe" (1973) und "Fanny und Alexander" (1981), seinem letzten Spielfilm. Er lebt zurückgezogen auf der kleinen Insel, inszeniert aber weiter am Nationaltheater, schreibt Bücher und beteiligt sich als Drehbuchautor an Filmprojekten. Zu dem neuen Material des Filminstituts gehören Filmaufnahmen über die Dreharbeiten bei Bergman-Streifen. Der Regisseur selbst will an der Bearbeitung dieser Aufnahmen für eine Kino- beziehungsweise TV-Version mitarbeiten sowie den Kommentar schreiben.

Archiv zu Lebzeiten Bergmans aufarbeiten

Kleveland berichtete, dass Bergman bei den Gesprächen über sein Archiv zunächst erklärt habe, er wolle das Material erst für die Zeit nach seinem Tod zur Verfügung stellen. Dann sei aber ein Anruf gekommen, bei dem der Regisseur gesagt habe: "Könnt ihr nicht einen Lastwagen schicken und den ganzen Dreck abholen?" Für die Verwaltung des neuen Bergman-Archivs hat das Filminstitut eine Stiftung eingerichtet, die in Absprache mit dem Regisseur über die Veröffentlichung auch privater Briefe entscheidet. Für die außerdem vorgesehene komplette Erfassung aller Materialien per Computer sei es "von unschätzbaren Wert", dass die Hauptperson noch am Leben sei und helfen könne. (APA/dpa)

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