Pressestimmen aus Frankreich

10. Juni 2002, 13:49
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Paris - Die französischen Zeitungen setzen sich in ihren Kommentaren vom Montag zur ersten Runde der Parlamentswahlen unter anderem mit der ungeliebten Kohabitation und dem Dreikampf von Linken, Konservativen und dem Lager der Rechtsextremisten auseinander.

Der konservative Pariser "Figaro": Linke zersplittert

"Nach dem ersten Wahlgang bleibt die Frage, welche Strategie die Rechte und die Linke für die Dreikämpfe mit der Front National wählen werden. Ebenso wie bei der Präsidentschaftswahl leidet die Linke unter der Vielzahl der Kandidaturen. Die breite Streuung der Stimmen ergänzt sich mit ihrer Schwäche. Auch die Gewichtung der Kräfte in der künftigen Mehrheit bleibt abzuwarten. Von der Stärke der Parteien auf der Rechten wird abhängen, wer den Vorsitz in der Nationalversammlung erhält. Aber auch der Handlungsspielraum von Premierminister Jean-Pierre Raffarin wird davon abhängen. Eine zu starke Mehrheit in der Nationalversammlung ist für den Regierungschef kein Geschenk."

Die linksliberale "Liberation": Wahl zwischen zwei Übeln

"Die Wähler haben zwischen zwei Übeln entschieden, von denen sie eins nicht so schlimm fanden: Bei der Wahl zwischen einer extremen Machtkonzentration auf der Rechten und einer neuen Kohabitation mit dem Risiko eines Zusammenbruchs dieses Regimes fanden die Wähler das erste Problem weniger gravierend. Es gibt so viele Nichtwähler, dass die künftige Mehrheit nicht so tun kann, als wenn nichts geschehen wäre. Die rechte Einheitspartei UMP hat einen großen Erfolg errungen. Eine neuerliche Kohabitation wurde als Risiko angesehen und zurückgewiesen. Die künftige Regierung wird viel zu tun haben. Sie muss ein Programm entwickeln und die Politik ändern."

"Nord Eclair" (Roubaix): Wegen Nicht-Wählern Rennen noch nicht gelaufen

"Es ist wahrscheinlich, dass Präsident Jacques Chirac und die Regierung in der Nationalversammlung eine solide Mehrheit haben werden. Aber der Wahlerfolg muss im zweiten Durchgang noch bestätigt werden. Diesmal wird es weniger Dreikämpfe mit Beteiligung der Front National geben. 1997 hatten diese Dreier-Konstellationen mehreren Dutzend Kandidaten der Linken den Einzug in die Nationalversammlung ermöglicht. Aber niemand hat ein Anrecht auf bestimmte Stimmanteile - weder auf der extremen Rechten noch auf der extremen Linken. Das Rennen ist also noch nicht gelaufen. Das hängt auch mit dem beunruhigend hohen Anteil der Nichtwähler zusammen." (APA/dpa)

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