Österreicher wollen aktiveren Staat

10. Juni 2002, 13:45
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Politik nimmt bei Wertung für Wohlstand und Wachstum alarmierenden letzten Platz ein - Grafik

Wien - Die Mehrheit der Österreicher wünscht sich mehr staatliches Eingreifen im sozialen Bereich. 51 Prozent sprachen sich bei einer Umfrage des Meinungsforschungsinstitutes IFES für ein stärkeres regulierendes Eingreifen im sozialen Bereich und 30 Prozent für mehr staatliche Aktivitäten im wirtschaftlichen Bereich aus. Die telefonische Umfrage, die "den sozialen Fortschritt, Wohlstand und Wohlfahrt" zum Thema hatte, wurde im Auftrag der Europäischen Wissenschaftstage in Steyr an 500 Personen durchgeführt und am Montag bei einer Pressekonferenz präsentiert.

Während Bildung, Wissenschaft und Wirtschaft in der Bevölkerung einen hohen Stellenwert haben, würden Kirche und Politik immer unwichtiger, erklärte Gert Feistritzer von IFES. Auf die Frage "welche Institutionen tragen zum Wohlstand unserer Gesellschaft bei?" gaben die Befragten zu 79 Prozent Schule und Bildung als wichtigste Institutionen an. 62 Prozent des Wohlstandes sei auf jeden einzelnen selbst zurückzuführen. Die Wirtschaft würde zu 60 Prozent am Wohlstand beteiligt sein und die Wissenschaft zu 54 Prozent. Nach den Sozialpartnern (46 Prozent) und der Kultur (27 Prozent) würden Kirche und Politik (jeweils 21 Prozent) als für den Wohlstand verantwortlich gesehen.

Ähnlich schlecht kommt die Politik bei der Frage nach den Verantwortlichen für das wirtschaftliche Wachstum weg. Während wieder Bildung und Ausbildung für das wirtschaftliche Wachstum zu 78 Prozent verantwortlich gemacht würden, gefolgt von Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft zu jeweils 65 Prozent, würde jeder einzelne selbst mit 55 Prozent am wirtschaftlichen Wachstum teilhaben. Die Gesellschaft als Ganzes, also die Gemeinschaft, betrachten die Befragten zu 54 Prozent am Wachstum verantwortlich, aber nur zu 32 Prozent wäre die Politik am Wirtschaftswachstum beteiligt, erläuterte Feistritzer das Umfrageergebnis.

Ausbildung fördert Wohlstand

Die Ausbildungseinrichtungen würden von den Befragten zu 41 Prozent als Förderer des persönlichen Wohlstandes gesehen. 31 Prozent messen in dieser Frage den Sozial- und Pensionsversicherungen den höchsten Stellenwert bei und 26 Prozent betrachten den Staat als Förderer ihres persönlichen Wohlstandes, dicht gefolgt von der Wirtschaft (25 Prozent) sowie der Wissenschaft und Forschung (21 Prozent) als Helfer für das persönliche Wohlergehen.

Bei der Frage "welche Institutionen fördern den sozialen Fortschritt und die Wohlfahrt?" reihten die Befragten die Förderinstitutionen für Wirtschaft, Forschung und Technologie zu 41 Prozent an die wichtigste Stelle. Internationale Institutionen wie etwa die Weltbank, die UNO oder EU würden zu 36 Prozent für den sozialen Fortschritt und die Wohlfahrt verantwortlich gemacht. Das Schlusslicht: die politischen Parteien. Ihnen würde nur zu 15 Prozent Beteiligung an sozialem Fortschritt und Wohlfahrt zugemutet.

Die Europäischen Wissenschaftstage in Steyr, die 1999 gegründet wurden, finden heuer von 7. bis 12. Juli statt. Sie haben die Aufgabe, die Ergebnisse der Wissenschaft für die Bevölkerung verständlich zu transportieren. Unter dem Titel "Wachstum, Werte, Wohlfahrt" würden ausgewählte Wissenschaftler aus aller Welt Beiträge zu globalen Zusammenhängen und Themen der Dritten Welt liefern, erklärte Berghold Bayer von den Europäischen Wissenschaftstagen in Steyr bei der Pressekonferenz. (APA)

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