Osteuropa-Geschäft ist "Rückgrat" der RZB

10. Juni 2002, 14:23
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Hohe BIP-Wachstümer motivieren die Bank

Wien - Die Raiffeisen Zentralbank (RZB) will auch in Zukunft ihre Osteuropa-Aktivitäten ausbauen. "Die strategischen Leitlinien sind klar", sagte RZB-Generaldirektor Walter Rothensteiner am Montag bei einer Pressekonferenz im Rahmen der Osteuropa-Konferenz "Europe without Frontiers", die die RZB anlässlich ihres 75jährigen Bestandsjubiläums abhält. Für RZB-Auslandschef Herbert Stepic stellt das Osteuropa-Geschäft das "Rückgrat" des Bankkonzerns dar. Die Entscheidung im Jahr 1987 in Ungarn tätig zu werden, habe die Entwicklung des gesamten Hauses verändert.

Die Bilanzsumme der RZB-Tochterbanken in den Mittel- und Osteuropäischen Ländern (MOEL) ist 2001 um 67 Prozent auf 11,4 Mrd. Euro - ein Viertel der Bilanzsumme des Konzerns - angestiegen. Stepic führte diesen Erfolg zum einen auf das "langfristige Commitment" der Bankengruppe und die "hoch motivierten Mitarbeiter" zurück: Zum Jahresende waren mehr als 11.300 Mitarbeiter in 494 Bankfilialen, die großteils von einheimischen Bankern geführt werden, beschäftigt.

Hohe BIP-Wachstumsraten

Die RZB habe sich bereits vor dem Fall des Eisernen Vorhanges auf Grund des großen Wachstumspotenzials stark in Osteuropa engagiert. Eine Reihe von Ländern weisen höhere BIP-Wachstumsraten als die EU auf, begründet Stepic das frühe Osteuropa-Engagement der RZB. Verglichen mit dem heutigen durchschnittlichen Pro-Kopf-BIP in der EU von 21.500 Euro liege zum Beispiel Slowenien mit einem Wert von 15.900 Euro an der Spitze der Kandidatenländer und über dem Wert von Spanien zu dessen EU-Betritt 1996. Tschechien habe mit 13.300 Euro einen höheren Wert als Griechenland zum EU-Betritt, erläuterte der RZB-Osteuropachef.

Auch die Handelsbeziehungen und die Direktinvestitionen stiegen in den vergangenen Jahren signifikant und "es liegt auf der Hand, dass sich der Handel zwischen der jetzigen EU und den neuen Mitgliedsländern noch stark verbessern werde - zum Nutzen aller", sprach sich Stepic erneut für eine rasche EU-Erweiterung aus. Zwischen 1993 und 2001 sind die EU-Exporte in die Kandidatenländer von 30 auf 125 Mrd. Euro gestiegen, der Anteil der EU-Exporte an den Gesamtexporten habe sich von 6,2 auf 13 Prozent verdoppelt. Zwischen 1989 und 2001 wurden mehr als 150 Mrd. Dollar (160 Mrd. Euro) investiert, jedoch mit regionalen Unterschieden.

EU-Erweiterung

Stepic sieht die EU-Erweiterung als "lohnende Investition in Frieden, Stabilität und Wohlstand", diese sei für den kleinen Markt Österreich besonders wichtig. Laut Wifo-Studie würde die österreichische Wirtschaft in den ersten drei Jahren nach der Erweiterung knapp 1,5 Mrd. Euro als Integrationsgewinn - bereits nach Abzug der anteiligen Erweiterungskosten von 670 Mill. Euro - verbuchen können. Hinz kämen eine um 1.400 bis 1.500 höhere Beschäftigung und eine um 0,33 Prozentpunkte geringere Inflation.

Die RZB feiert heuer ihr 75-Jahr-Jubiläum: Sie wurde am 16. August 1927 als Liquiditätsausgleichsstelle der landwirtschaftlichen und gewerblichen Genossenschaften gegründet. Mittlerweile ist aus der Genossenschafts-Girozentrale ein international tätiger Bankkonzern mit Schwerpunkt Mittelosteuropa mit mehr als 14.000 Mitarbeitern in mehr als 500 Geschäftsstellen geworden. Knapp vier von fünf RZB-Mitarbeitern sind in den Reformländern tätig. (APA)

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