Wahlen in Tschechien: Umfrage sehen nun Sozialdemokraten vorne

10. Juni 2002, 11:21
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Klaus-Partei bleibt um zwei bis vier Prozent zurück

Prag - Vier Tage vor dem Beginn der Parlamentswahlen in Tschechien (14. und 15. Juni) befinden die Sozialdemokraten (CSSD) von Arbeitsminister Vladimir Spidla an der Spitze der Wählergunst und haben eine gute Chance, eine Mehrheitsregierung mit der "Koalition" (Bündnis der christdemokratischen Volkspartei KDU-CSL und der rechtsliberalen Freiheitsunion-Demokratischen Union US-DEU) zu schaffen. Dies geht aus den jüngsten Umfragen zweier soziologischer Agenturen hervor, die am Montag in Prag veröffentlicht wurden. Es handelt sich um die letzten veröffentlichten Wählerbefragungen, weil man laut dem Gesetz ab Dienstag in den Medien keine Umfragen mehr präsentieren darf.

Nach der Befragung der soziologischen Agentur STEM, deren Ergebnisse in der Tageszeitung "Lidove noviny" veröffentlicht wurden, kann die CSSD mit 29,9 Prozent rechnen, während die konservative Demokratische Bürgerpartei (ODS) von Unterhauschef Vaclav Klaus 27,8 Prozent erwarten kann. Die "Koalition" könnte laut STEM etwa 18 Prozent der Stimmen gewinnen, die Kommunisten (KSCM) hingegen 14,3 Prozent. Mit diesem Wahlausgang könnten die CSSD und die "Koalition" in dem 200-köpfigen Abgeordnetenhaus 106 Mandate stellen. Ein eventuelles Regierungsbündnis ODS/"Koalition" hätte nur 102 Mandate und eine große Koalition CSSD/ODS 128 Mandate, was um acht Stimmen mehr als die Verfassungsmehrheit (Drei-Fünftel-Mehrheit) wäre. Spidla hat jedoch mehrmals betont, dass er eindeutig das Regierungsbündnis mit der "Koalition" bevorzuge.

Auch die jüngste Umfrage der soziologischen Agentur TNS-Factum zeigt, dass die CSSD die Klaus-Partei, die in den vergangenen Wochen leicht an der Spitze vor der CSSD war, überholt hat. Laut TNS-Factum können die Sozialdemokraten mit 28 Prozent der Stimmen rechnen, die ODS mit 24 Prozent. Die "Koalition" liegt bei 16 Prozent und die Kommunisten bei 12 Prozent. Die CSSD und "Koalition" könnten mit diesem Wahlergebnis eine Mehrheitsregierung bilden, die sich auf 112 Stimmen im Unterhaus stützen könnte. Demgegenüber wäre die ODS mit der "Koalition" nicht im Stande, mit 97 Mandaten ein Mehrheitsbündnis zu schaffen. Eine eventuelle große Koalition CSSD/ODS hätte 131 Mandate, so die TNS-Factum-Befragung. (APA)

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