Streit in UMP um Vorsitz der neuen Nationalversammlung

10. Juni 2002, 12:24
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Balladur und Juppe beanspruchen Präsidentenposten

Paris - Noch vor dem zweiten Durchgang der französischen Parlamentswahlen am kommenden Sonntag ist innerhalb der neuen bürgerlich-konservativen Sammelpartei "Union für die Präsidentenmehrheit" (UMP) ein Streit um den Vorsitz der künftigen Nationalversammlung ausgebrochen. Die ehemaligen Premierminister Edouard Balladur (1993-95) und Alain Juppe' (1995-97) erheben laut Medienberichten Anspruch auf das prestigereiche Amt des Präsidenten der Nationalversammlung, das seit dem Wechsel von Laurent Fabius an die Spitze des Finanzministeriums im Jahr 2000 von dem Sozialisten Raymond Forni bekleidet wurde.

Balladur erklärte nach Informationen des Nachrichtenmagazins "L'Express", er sei fest entschlossen, für den Parlamentsvorsitz zu kandidieren und würde sich im Fall einer Bewerbung von Juppe', dessen Position in der neogaullistischen Bewegung die wesentlich stärkere ist, nicht zurückziehen. Juppe' ist Bürgermeister von Bordeaux und gilt weiter als "starker Mann" hinter der nominellen Neogaullisten-Chefin Michele Alliot-Marie. Er soll auch die Ernennung von Jean-Pierre Raffarin zum Premier durchgesetzt (und jene von Nicolas Sarkozy verhindert) haben.

Seit der Gründung der Fünften Republik im Jahr 1958 hat die französische Rechte vier Präsidenten der Nationalversammlung gestellt: Jacques Chaban-Delmas (1958-69, 1978-81 und 1986-88), Achille Peretti (1969-73), Edgar Faure (1973-78) und Philippe Seguin (1993-97), die Linke ebenfalls vier: Louis Mermaz (1981-86), Laurent Fabius (1988-1992 und 1997-2000), Pierre Emmanuelli (1992-93) und zuletzt Forni. (APA)

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