Israelische Truppen umstellen Arafat-Hauptquartier in Ramallah

10. Juni 2002, 07:02
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Massive Verbände in autonomer Stadt - Ein Palästinenser getötet

Jerusalem/Washington - Die israelische Armee ist am frühen Montagmorgen mit massiven Truppenverbänden in der autonomen Stadt Ramallah einmarschiert. Nach Augenzeugenberichten wurden im Amtssitz von Palästinenserpräsident Yasser Arafat Gebäude zerstört. Die Armee sprach von einer Umstellung, um bewaffnete Palästinenser am Verlassen des Arafat-Hauptquartiers zu hindern. Mindestens ein Palästinenser kam nach Angaben von palästinensischen Sicherheitskräften beim Vorstoß ins Flüchtlingslager El Amari bei Ramallah ums Leben, zwei weitere wurden verletzt. Wenige Stunden vor dem Einmarsch hatte Arafat eine Reform seiner Regierung bekannt gegeben.

Das israelische Militär nannte als Ziel der Operation, die nur von kurzer Dauer sein werde, die Zerschlagung der terroristischen Infrastruktur in der Stadt und die Festnahme militanter Palästinenser. Zudem würde nach Bombenfabriken und versteckten Waffen gesucht. Die Palästinenser sprachen von einer neuen Belagerung des palästinensischen Verwaltungszentrums. Die israelischen Streitkräfte hatten die Stadt im Westjordanland erst vor fünf Tagen verlassen, nachdem sie von 29. März bis 2. Mai besetzt gewesen war.

Wie der Fernsehsender CNN und palästinensische Augenzeugen berichteten, drangen kurz vor Sonnenaufgang mehr als 100 Panzer von allen Seiten in die Stadt vor, wobei es zu heftigen Schießereien kam. Kampfhubschrauber kreisten laut CNN über Ramallah. Arafat befände sich in seinem Amtssitz. Das israelische Radio berichtete, dass die israelische Armee dort mit Planierraupen die Zerstörung dreier Gebäude beendete, die bereits beim Einmarsch am Donnerstag beschädigt worden seien, was die Armee allerdings dementierte. Von heftigen Feuergefechten wurde von Al Jazeera aus dem Flüchtlingslager berichtet, das nun unter voller Kontrolle der Israelis sei. Auch im Vorort Beitunya sind Augenzeugenberichten zufolge israelische Truppen eingerückt.

Der Angriff ereignete unmittelbar vor einem Treffen des israelischen Ministerpräsidenten Ariel Sharon mit US-Präsident George W. Bush am Montag in Washington. US-Regierungskreise erklärten, sie seien nicht vorher über eine Operation informiert worden.

Jihad-Mitglieder festgenommen

Sicherheitskräfte der palästinensischen Autonomiebehörde nahmen unterdessen am Sonntag im Gazastreifen ein ranghohes Mitglied der militanten Palästinensergruppe Islamischer Jihad fest. Laut "Al Jazeera" wurde auch noch ein weiteres führendes Jihad-Mitglied, Mohammed Hindy, von palästinensischen Sicherheitskräften festgenommen. Nach anderen Angaben war von bis zu 15 Festgenommenen die Rede.

Bei einer Explosion in einem Haus im palästinensischen Flüchtlingslager Jebalya sind in der Nacht auf Montag etwa 40 Palästinenser verletzt worden. Aus Sicherheitskreisen verlautete, acht seien schwer verwundet worden. (APA/Reuters)

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