Skandal um verbotenen Genmais droht

10. Juni 2002, 12:46
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Schädliche US-Maissorte "Star Link" kam als UN-Hilfslieferung nach Guatemala

Wien/Rom - Einem Ernährungsskandal internationalen Ausmaßes ist die Organisation "Friends of the Earth International" auf der Spur. In UN-Hilfslieferungen an Guatemala fanden Experten der Organisation gemeinsam mit Kollegen der guatemaltekischen Umweltschutzgruppe Colectivo Madre Selva erhebliche Spuren der verbotenen Genmais-Sorte "Star Link". Die Hilfslieferung stammt aus den USA und wurde im Rahmen des UN-Welternährungsprogramms an Guatemala geliefert.

Nähere Details wollen Vertreter von "Friends of the Earth" am Montagabend in Rom am Welternährungsgipfel bekannt geben.

"Star Link" ist im Jahre 1998 von den US-Behörden als Tiernahrung und zur industriellen Verwendung, etwa zur Herstellung von Alkohol, freigegeben worden. Nicht aber für den menschlichen Genuss. Zur Begründung hieß es damals, "Star Link" enthalte ein Protein, das bei Menschen unter anderem Allergien auslösen könne. Ein Teil der Ernte 1999 war an eine Mühle in Mexiko geliefert und dort verarbeitet worden. Die US-Regierung ordnete daraufhin eine Rückholaktion an.

Der Österreich-Vertreter von Friends of the Earth International, Daniel Hausknost, warnt: "Es ist ein Skandal, dass mittlerweile verbotener Genmais praktisch zur Entsorgung in Entwicklungsländer exportiert wird. Es ist leicht vorstellbar, dass diese Maiskörner von guatemaltekischen Kleinbauern als Saatgut ausgesät werden. Dann ist Star Link unwiderruflich im Lebensmittelkreislauf." (DER STANDARD, Print, 10.6.2002)

Walter Müller
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