Ein Spray gegen HIV

9. Juni 2002, 16:22
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Die Immunität der Schleimhaut soll gestärkt werden und der Virus soll ausreichend abgewehrt werden-... bei vielen Versuchstieren hat es bereits funktioniert

Innsbruck - Die Übertragung des HI-Virus könnte künftig mit Hilfe eines einfachen Sprays verhindert werden. Durch den vorerst nur auf die Schleimhaut von Affen aufgetragenen Impfstoff hätten die Tiere eine Immunantwort und somit einen Schutz vor dem Virus aufgebaut, sagte Heribert Stoiber vom Hygiene-Institut der Uniklinik Innsbruck der APA. Die Methode könnte bereits in wenigen Jahren auch beim Menschen angewendet werden.

Immunität der Schleimhaut werden gestärkt

Mehr als 90 Prozent der HIV-Positiven infizieren sich bei einem sexuellen Kontakt - und somit über die Vaginalschleimhaut - mit dem Virus, erklärte Stoiber. Daher sei es wichtig, die Immunität der Schleimhaut zu stärken. Letzten Erhebungen zufolge nehme die Zahl der Frauen, die sich mit HIV anstecken, stetig zu. Das Verhältnis der neuinfizierten Frauen und Männer liege demnach mittlerweile bei jeweils 50 Prozent. Ein weiterer Grund, die Schleimhaut mit Hilfe des Sprays zu immunisieren, sei die "bequemere und einfachere Art der Anwendung". Denn mit dieser Methode könnte die Möglichkeit einer Infektion - wie sie etwa bei einer Injektion auftreten könne - ausgeschlossen werden.

Bislang kein ausreichender Schutz

Bei dem "Affen-Versuch" wird der Stoff ein einziges Mal auf die Mundschleimhaut aufgetragen. Es dauert dann etwa sechs Wochen, bis das Tier einen HIV-Schutz aufbauen kann. Nach einem halben Jahr verabreicht man dem Affen das infektiöse HI-Virus entweder über die Vaginal- oder über die Rektalschleimhaut. Untersuchungen zeigen anschließend, ob sich eine Immunantwort gebildet hat. Der Großteil der Versuchstiere habe den "Angriff" völlig symptomfrei überlebt (wurden also nicht infiziert), bei anderen sei es aber dennoch zur Aufnahme einer - wenn auch verminderten - Anzahl von Viren gekommen. In diesem Fall sei zwar ein Schutz vorhanden, für eine völlige Immunität ist dieser aber nicht ausreichend, weiß der Wissenschafter. "Sie haben das HIV nur partiell im Griff."

Tiere reagieren unterschiedlich

Warum die Tiere unterschiedlich auf den Impfstoff reagieren, sei bisher noch unklar. Stoiber vermutet aber, dass der genetische Hintergrund dafür verantwortlich sein könnte. Bevor das Impfvirus beim Menschen eingesetzt werden kann, muss es noch verbessert und sicherer gemacht machen, damit mögliche Impfrisiken und Infektionen ausgeschlossen werden können.

Möglicherweise könnte der Impfstoff auch bei Suchtgift-Abhängigen, eine weitere Risiko-Gruppe, präventiv angewendet werden. "Wir gehen davon aus, dass dieser Immunschutz auch bei einer Infektion durch Spritzen wirken." Dies zeige sich dadurch, dass sich nach der Anwendung die Immunantwort nicht nur auf der Schleimhaut, sondern auch im Blut bilden. Das Projekt werde von der EU für die Dauer von zwei Jahren gefördert. Daran beteiligt sind insgesamt zehn Labors aus verschiedenen Ländern, wie etwa aus Deutschland, Italien, Island und der Schweiz. (APA)

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