Jede schlechte Nachricht hat ihr Gutes

9. Juni 2002, 16:38
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Der Technologiesektor ist von einer Erholung weit entfernt - Doch Kursrückschläge bieten auch Chancen – Gastkommentar von Michael Margules

Mit der Umsatz- und Gewinnwarnung für das laufende Quartal und einem äußerst verhaltenen Jahresausblick hat Halbleiter-Branchenriese Intel wohl endgültig jegliche Hoffnung auf eine unmittelbar bevorstehende rasante Aufwärtsbewegung des geprügelten Technologiesektors – und mit ihm das Einleiten einer auch allgemein wieder freundlicheren Börsenstimmung – zerstört.

Chancen

Doch jede schlechte Nachricht hat auch ihr Gutes, oder wie es so aussagekräftig in der Finanzindustrie, die ja schließlich ihre Brötchen, sprich ausgabeaufschlagträchtigen – ja, zu diesem Wort stehe ich – Fonds an die Anleger bringen müssen, heißt: „Kursrückschläge bieten immer auch Chancen (und jedes Fußball-Spiel beginnt bekanntlich bei Null zu Null)“.

Nun ja, das durchschnittliche Kurs-Gewinn-Verhältnis auf Basis der für 2003 erwarteten Gewinne der Dax-30-Werte liegt mit 15,8 auf dem historisch niedrigsten Stand seit Anfang 1996, erklären die Experten. Allein: wie vertrauenswürdig sind die Gewinnprognosen der Finanzanalystengilde? Zieht man die diesbezüglichen Daten und Veröffentlichungen der letzten beiden Jahre heran, so plagen die Investoren nicht ganz unberechtigte Zweifel („PoS“ heißt ja, Merrill Lynch sei Dank, längst nicht mehr „Point of Sale“...).

Andererseits verdichten sich auch jene Anzeichen, dass sowohl Unternehmer wie auch die analog zu den Anlegern vom Herdentrieb geprägten Analysten zunehmend, bewusst oder unbewusst, zu pessimistische, übervorsichtige Prognosen abgeben. Dies wiederum eröffnet nicht nur Chancen für Schnäppchenjäger, also Werten mit (zu) tiefen Bewertungsratios, sondern auch für die sogenannten Contrarians, also jenem Investorenkreis, der stets gegen den (Aktien)Strom schwimmt.

Vodafone

Diesbezügliche Anwendungsgebiete gibt es im Moment zuhauf, sowohl im bezug auf Märkte à la Japan wie auch im Zusammenhang mit Einzelwerten. Der zugegebenermaßen unspektakuläre, aber doch in Baisse-Zeiten wie diesen mutige Tipp des Autors dieser Zeilen und notorischen Aktienverfechters: Vodafone.

P.S.: Spannend wird in dieser Woche jedenfalls am Mittwoch die Veröffentlichung der neuesten Daten und Erkenntnisse des Beige-Books, also dem aktuellen Konjunkturbericht der US-Notenbank (FED). Bei aller Liebe zur Kryptik wird Fed-Chef Greenspan wohl doch auch einmal mit klareren Aussagen dahingehend aufwarten müssen, warum trotz rekordtiefer Zinsen und laut jüngsten Kommentaren anziehender Wirtschaft die Investitionen der Unternehmen nach wie vor ausbleiben, und auch von der Arbeitslosenfront bis dato keinerlei Entspannung in Sicht ist. Zudem stehen auch in der schon lange trägen europäischen Konjunkturlokomotive Deutschland nächste Woche die Veröffentlichung der Daten zur Industrieproduktion sowie der Einzelhandelsumsätze an. Die Werte zur Industrieproduktion dürften dabei die bedeutendere Indikation für die weitere Entwicklung der Konjunktur und damit der Aktienmärkte haben.

Nachlese

--> Hört die Deflations-Signale

Michael Margules lebt als freier Journalist in Wien. Sein Gastkommentar "Börsenblick" erscheint wöchentlich - jeden Montag - auf derStandard.at. Anlageempfehlungen stellen die persönliche Meinung des Autors dar.
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