Tiroler Biochemiker erforscht Herstellung von zellfremdem Protein

9. Juni 2002, 16:12
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Insulin und Wachstumshormone könnten von der Entwicklung profitieren

Innsbruck - Ein neuer Ansatz in der Erforschung der Vorgänge auf zellulärer Ebene zeichnet sich im Rahmen eines österreichischen biopharmazeutischen Kooperationsprojektes ab. Eine laufende Studie hinterfragt Stoffwechselvorgänge, die bei der Produktion von zellfremdem, reinem Protein eine Rolle spielen , erklärte der Leiter der Arbeitsgruppe Genetik, Bernhard Auer, vom Univ.-Institut für Biochemie in Innsbruck im Gespräch mit der APA. Dadurch soll die Erzeugungstechnik von Proteinmedikamenten verbessert werden.

Zellen sollen von einem Protein möglichst viel erzeugen

Auf "Modell-Ebene" seien in Innsbruck bereits "zufrieden stellende" Resultate erzielt worden. Bei einer künftigen Optimierung der Methode sollen vor allem die Medikamenten-Hersteller profitieren. Untersucht werde, wie Bakterien und menschliche Zellen unter einer äußeren Beeinflussung des Stoffwechsels dazu gebracht werden können, von einem Protein möglichst viel zu erzeugen. Hier versuche die Wissenschaft dem Wunsch der industriellen Partner nachzukommen und herauszufinden, wie eine derartige "Groß-Produktion" unter möglichst geringem Aufwand Realität werden könne, erläuterte Auer.

Bestuntersuchte Bakterien

Das Forschungsteam um Auer analysiert seit etwa einem halben Jahr die genetischen Veränderungen der bisher bestuntersuchten Bakterien überhaupt, der menschlichen Darmbakterien Escherichia coli (kurz E.coli). Durch Gen-Manipulation sei E.coli dazu gebracht worden, ein fremdes, fluoreszierendes Protein in hochreiner Form zu erzeugen. Dies sei deshalb bemerkenswert, da bei der "Fremd-Proteinproduktion" bislang stets auch Fragmente bzw. Verunreinigungen entstanden seien. Verunreinigte Proteine könnten jedoch nicht für die Erzeugung von Medikamenten verwendet werden, da diese wiederum unvorhersehbare Auswirkungen auf den menschlichen Organismus hätten.

Als mögliche Produkte, die von einer Weiterentwicklung dieser Erkenntnissen profitieren könnten, nannte der Wissenschafter Insulin und Wachstumshormone für Kleinwüchsige. Auch Mittel, welche das Blutzellenwachstum anregen, insbesondere für Nierendialyse-Patienten, seien denkbare Anwendungsbereiche. (APA)

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