Nitrofen: Lage wird immer unübersichtlicher

9. Juni 2002, 15:59
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EU könnte bald über Stop für deutsche Bio-Produkte entscheiden

Brüssel (APA/Reuters) - Die Europäische Kommission könnte nach Angaben einer Sprecherin bereits am Montag über einen Vermarktungstop für eine Reihe deutscher Bio-Produkte wegen des Nitrofen-Skandals entscheiden. "Die Entscheidung fällt frühestens am Montag", sagte Kommissionsprecherin Beate Gminder am Sonntag. Die Kommission werde zunächst das Ergebnis von Beratungen der deutschen Agrar-Staatssekretäre am Sonntag abwarten.

Während die Kommission zunächst mit den Informationen aus Deutschland über mit Nitrofen vergiftete Lebensmittel zufrieden gewesen sei, sei die Lage Ende der Woche immer unübersichtlicher geworden. "Es gab widersprüchliche Aussagen darüber, welche Produkte betroffen sind", sagte Gminder. Die Kommission brauche nun Klarheit darüber, dass alle betroffenen Produkte vom Markt genommen sind. Falls die Situation nicht unter Kontrolle sei, könne es besser sein, "eine Auszeit zu nehmen".

Einen Vermarktungstopp könnte die EU-Kommission im Eilverfahren sofort erlassen, sagte Gminder weiter. Für welche Produkte dieser gelten könne, sei noch unklar. In Betracht kämen alle gefährdeten Bio-Produkte wie Geflügel oder Getreide. Sollte die Kommission einen solches Vermarktungsverbot erlassen, müsste dieses innerhalb von zehn Tagen von einem Expertenausschuss überprüft werden. Dieses Verbot würde EU-weit gelten, sagte die Sprecherin.

Zu angekündigten belgischen Importbeschränkungen für deutsche Agrar-Produkte habe sich die EU-Kommission noch keine Meinung gebildet. "Belgien hätte uns eigentlich erst konsultieren müssen". Das sei aber nicht geschehen. Die belgischen Auflagen, wonach deutsche Agrarprodukte nur mit einer Unbedenklichkeitsbescheinigung eingeführt werden dürfen, werde die Kommission in den kommenden Tagen prüfen.

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