Afghanischer Verteidigungsminister unterstützt Karsai

9. Juni 2002, 10:56
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Für Ruhe im Land sollte Nordallianz die wichtigsten Ministerposten behalten

Kabul - Der Präsident der afghanischen Übergangsregierung Hamid Karsai soll nach den Worten von Verteidigungsminister Mohammad Fahim auch die neue Übergangsregierung leiten.

Wahlen innerhalb der nächsten zwei Jahre vorzubereiten

Zugleich sollte die Nordallianz die wichtigsten Ministerposten behalten, sagte Fahim am Samstag auf einer Pressekonferenz. "Unser Kandidat ist Karsai", sagte Fahim. "Wenn die Menschen Karsai mit der gleichen Kabinettszusammensetzung wählen...werden sich nach unserer Ansicht Frieden, Stabilität und nationale Einheit weiter festigen." Ab Montag soll die Loja Dschirga, die große Stammesversammlung, über eine neue Übergangsregierung beraten. Diese soll binnen zwei Jahren Wahlen vorbereiten.

Afghanische Stammesfürst Padschah Chan Sadran für König Sahir Schah

Der afghanische Stammesfürst Padschah Chan Sadran sagte indes, er wolle, dass der ehemalige König Sahir Schah die Führung des Landes übernehme. "Ich sehe den König als geeignete Person. Der König kann der wirkliche Anführer des Volkes sein." Die Loja Dschirga dürfe keine Entscheidung, die auf einer Abmachung zwischen zwei Personen beruhe, über den nächsten Anführer Afghanistans treffen. Sadran war von Karsai als Gouverneur der ostafghanischen Provinz Paktia ernannt, im Februar jedoch entlassen worden.

Padscha Chan

Karsai hatte Padscha Chan vorgeworfen, er habe Dutzende von Menschen in Paktia getötet, nachdem er seines Amtes enthoben worden war. Im Mai hatte Padscha Chans Armee die Pronvinzhauptstadt Gardes mit Raketen beschossen. Dabei starben 30 Zivilisten und rund 100 wurden verletzt. Padscha Chan gilt als einflussreiche Person in Ostafghanistan. Einer seiner Brüder ist Minister in Karsais Übergangsgregierung.

Ex-König Zahir Schah

Ex-König Zahir Schah war im April nach 30 Jahren Exil in Italien nach Afghanistan zurückgekehrt. Der 87-jährige König soll die Stammesversammlung eröffnen. Viele Afghanen sehen in ihm eine Integrationsfigur für den Wiederaufbau des nach 23 Jahren Krieg größtenteils zerstörten Vielvölkerstaates. Die Loja Dschirga bestimmt traditionell die wichtigsten Angelegenheit des Landes. In der letzten rechtmäßigen Versammlung von 1964 wurde der Weg für die Einführung der parlamentarischen Demokratie gemacht. Unter Vermittlung der Vereinten Nationen (UNO) hatten sich afghanische Vertreter auf dem Petersberg in Bonn im Dezember auf eine Übergangsregierung verständigt. Nach sechs Monaten sollte demnach die Loja Dschirga zusammenkommen.

Übergangsregierung

Die gegenwärtig Übergangsregierung besteht aus Vertretern des Paschtunenvolkes aus dem Süden des Landes, dem auch Karsai angehört, sowie Tadschicken und Usbeken der Nordallianz. Die Schlüsselressorts Außen-, Innen- und Verteidigungspolitik werden von der Nordallianz besetzt. Die Unterstützung Fahims erhöht die Chancen Karsais, weiter Chef der Übergangsregierung zu bleiben. Fahim gilt als einflussreich innerhalb des Kabinetts und der Nordallianz. (APA)

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