Sag mir, wo die Shrimps sind

9. Juni 2002, 17:00
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Niedergang der Fischerei im Golf von Mexiko - Ursachen: Billigkonkurrenz, Antibiotika-Skandal ... oder gar der 11. September

New Orleans - Die Netze der Shrimpsfischer im Golf von Mexiko sind in diesem Jahr fast leer. Die Zahl der einst so zahlreichen Schalentiere ist nach Angaben von Fischern dramatisch nach unten gegangen. Die Großmarktpreise liegen weit unter der Hälfte des Vorjahres. Rund 18.000 Shrimpsfischer sehen ihre Existenz gefährdet. Viele davon arbeiten in der vierten oder fünften Generation in diesem Beruf. Hinzu kommt noch das schlechte Image, das den Schalentieren seit einem Jahr anhaftet, berichtet die New York Times.

Schuld am tiefsten Großhandelspreis seit Jahrzehnten dürften die Ereignisse am 11. September sein, glauben zahlreiche Fischer. Der Freizeit- und Ausflugsindustrie wurde der Wind aus den Segeln genommen, meinen andere.

Realistisch betrachtet

Tatsächlich haben aber zahlreiche Billiganbieter aus Aquakulturen, insbesondere von der Westküste der USA und von Südamerika, den Markt mit günstigen Shrimps überflutet. Auch das schlechte Image durch kontaminierte Shrimps aus Asien, die voll mit gefährlichen Antibiotika und Chloramphenikol waren, haben den Shrimpsfischern im Süden der USA das Leben schwer gemacht. Chloramphenikol ist in den USA aber streng verboten, da die Substanz angeblich Leukämie bei Kindern hervorrufen kann. In Asien, insbesondere in China, wird die Chemikalie für die Shrimpszucht verwendet, da dort auf engstem Raum viele Tiere zusammengepfercht leben.

Vor einigen Wochen tauchten in den USA Shrimps auf, die Spuren der Chemikalie enthielten und in der Verpackung "Product of Louisiana" steckten. Der Agriculture Commissioner von Louisiana, Robert Odom, konnte den Beweis erbringen, dass die importierten asiatischen Shrimps versehentlich von Händlern in die falsche Verpackung gerieten. "Das ist ein doppelschneidiges Schwert, einerseits könnte das der lokalen Shrimpsindustrie helfen, andererseits könnte der Markt für Shrimps überhaupt zusammenbrechen", so Bobby Samanie, der in der Shrimpsindustrie arbeitet.

Appetit vergangen

Experten warnen schon jetzt davor, dass die Nachfrage nach den Schalentieren langfristig fallen wird. Maximal 20 Prozent der gesamtamerikanischen Nachfrage könne mit Fängen aus dem Golf von Mexiko gedeckt werden. Ein Großteil der Nachfrage wird durch Zucht in Aquakulturen gedeckt, die auch in den USA immer häufiger anzutreffen sind, meinen Experten des US-Fisheries Institutes.

Zu der schlechten wirtschaftlichen Situation komme auch noch ein klimatisches Problem hinzu: Zweimal jährlich ist Spitzen-Fangsaison, einmal zwei Wochen im Mai für die braunen Shrimps, dann im Spät-Sommer für die weißen Shrimps. Die Fischer meinen, dass kalte Stürme im Mai die Shrimps viel weiter Richtung Süden gedrängt haben, daher blieben die Netze für die erste Fangsaison fast leer. (pte)

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