Betriebsklima ist Chefsache

9. Juni 2002, 18:00
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Unzufriedenheit im Job macht krank und kostet das Unternehmen Geld - mangelnde Anerkennung als Hauptursache

Wien - Die Arbeitswelt wird zunehmend rauer, und dies gefährdet auch immer mehr die Gesundheit der Arbeitnehmer. Zu diesem Ergebnis kamen Experten im Rahmen der Wiener Tagung "Was die Arbeitspsychologie den Unternehmen bringt."

Veranstalter waren die Allgemeine Unfallversicherungsanstalt (AUVA) und die Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ). "Früher waren die Maßnahmen zum Arbeitnehmerschutz vor allem durch technische Maßnahmen gekennzeichnet", sagte Norbert Winkler, Direktor der AUVA, zur Eröffnung der Veranstaltung. Erst ab den 70er Jahren sei die Arbeitsmedizin entstanden. Unfälle und Krankheiten würden aber auch durch psychische Faktoren bestimmt. Arbeitsmedizin und Arbeitspsychologie könnten hier Abhilfe schaffen, so Winkler.

Zeitenwende

"Durch die Globalisierung werden in den nächsten zehn Jahren die traditionellen Arbeitsmärkte komplett aufgelöst", glaubt Othmar Hill, Personalberater und Geschäftsführer von Hill International. "Neue" Arbeitsverhältnisse wie Tele-Working, Teilzeitarbeit oder Projektarbeit würden immer mehr Verbreitung finden. "Nur mehr 20 Prozent der Arbeitnehmer werden traditionelle Dienstverträge haben", gibt sich Hill überzeugt. Durch diese Entwicklung werden Existenzängste und Überforderung dramatisch zunehmen.

Das Betriebsklima sei wichtig für Unternehmen, da durch permanente Fluktuation der Arbeitskräfte Firmen immer instabiler würden. Ein mit Hilfe der Wirtschaftspsychologie geschaffenes gutes Betriebsklima nütze auch den Unternehmen, so Hill und verwendet dafür den Begriff "Multi-Profit-System".

Kosten

Schlechte Arbeitsbedingungen bedeuten für die Unternehmen erhöhte Kosten, sagte Arbeitspsychologe Heinrich Geißler. Die Konsequenzen eines schlechten Betriebsklimas seien überdurchschnittliche Krankenstände und Fluktuation, erhöhte Unfallraten, unvorhergesehene Lohnkosten, überhöhte Verbrauchswerte, Nichteinhaltung von Terminen, Nichterreichung der geplanten Produktivität, Qualitätsmängel und geringe Kunden-Bindung.

Anerkennung = Vorbeugung

Hauptursache eines schlechten Betriebsklimas sei mangelnde Anerkennung, so Geißler. Dies hätten finnische Untersuchungen gezeigt. Bei Unzufriedenheit im Job sei die Wahrscheinlichkeit gesundheitlicher Beschwerden 1,5 bis drei mal größer. Anerkennung sei daher die beste Vorbeugung vor Krankheit und rechne sich auch für die Arbeitgeber durch geringere Krankenstände. Insgesamt würden Sicherheit und "normale" Arbeitsverhältnisse abnehmen, während die psychische Belastung zunimmt, damit sei zunehmende Krankheit vorprogrammiert.

"Was für Maschinen selbstverständlich ist, soll auch für Menschen gelten: - Wartung", so Geißler abschließend. Einig waren sich alle Vortagenden, dass ein gutes Betriebsklima auch den Unternehmen große Vorteile bringen kann. (APA)

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