Deutschland blockiert US-Rechtshilfeersuchen

8. Juni 2002, 16:09
1 Posting

Angeblich aus Sorge vor einem Todesurteil gegen mutmaßlichen Terroristen

Berlin - Aus Angst vor einem Todesurteil gegen einen mutmaßlichen Terroristen blockiert Deutschland nach Informationen des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" seit Monaten ein Rechtshilfeersuchen der amerikanischen Justiz. Die Ermittlungen richteten sich gegen den in den USA angeklagten Verdächtigen Zacarias Moussaoui, berichtet das Magazin in seiner am Montag erscheinenden Ausgabe. Der Franzose marokkanischer Herkunft wird verdächtigt, als 20. Attentäter bei den Anschlägen am 11. September eingeplant gewesen zu sein.

Bereits im Februar hätten die US-Behörden das Justizministerium in Berlin ersucht, Beweismittel zu übergeben, die den in den USA in Haft sitzenden Moussaoui schwer belasteten. Obwohl die Unterstützung im Anti-Terror-Kampf als politisch notwendig gelte, wolle die deutsche Bundesregierung jedoch vermeiden, an einem Todesurteil mitzuwirken, heißt es in dem Bericht.

Den Vorschlag des deutschen Justizministeriums, die US-Justiz könne doch auf die Verhängung oder Vollstreckung der Todesstrafe gegen Moussaoui verzichten, hätten die Amerikaner abgelehnt. Trotz monatelanger Verhandlungen einer Gruppe deutsch-amerikanischer Spitzenbeamter zeichne sich nun noch immer keine Lösung ab.

Nach deutschen Ermittlungen soll Moussaoui direkte Verbindungen zur Hamburger Terrorzelle unterhalten haben. So habe ihm die Gruppe um Mohammed Atta im August des vergangenen Jahres zwei Mal Geld für eine Pilotenausbildung in den USA überwiesen, berichtete der "Spiegel". (APA/AP)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Zacarias Moussaoui

Share if you care.