Mutmaßlicher Terror- Verbindungsmann in Frankreich festgenommen

8. Juni 2002, 15:12
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Deutschland blockiert US-Rechtshilfeersuchen

Paris/Berlin - Die französische Polizei hat einen mutmaßlichen Verbindungsmann islamistischer Terrorgruppen festgenommen. Wie die Justizbehörden am Samstag in Paris mitteilten, hatte der gebürtige Algerier Kontakt zu dem Franzosen Zacarias Moussaoui, der in den USA als Komplize der Attentäter vom 11. September angeklagt ist. Er habe Moussaoui im Sommer 2000 in Afghanistan getroffen. Der Antiterror-Richter Jean-Francois Ricard leitete gegen den Mann ein formelles Ermittlungsverfahren wegen "Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung" ein.

Der Festgenommene, der zeitweise auch in London wohnte, gehöre zum Umfeld der El-Kaida-Gruppe Osama bin Ladens in Europa und verfüge über weit reichende Kontakte, teilte die französische Justiz mit. In den ersten Verhören habe er wichtige Informationen preisgegeben. Nähere Angaben zur Identität des Mannes machten die Behörden nicht. Er wurde bereits am Dienstag in seiner Pariser Wohnung im Zuge der Ermittlungen zu einem im Dezember 2000 in Straßburg geplanten Anschlag festgenommen, welches vereitelt worden war.

Wegen der Anschlagspläne auf den Weihnachtsmarkt in Straßburg stehen seit Mitte April fünf mutmaßliche Islamisten in Frankfurt am Main vor Gericht. Vier von ihnen waren Ende des Jahres 2000 in Frankfurt festgenommen worden; der Fünfte einige Monate später.

Aus Angst vor einem Todesurteil gegen einen mutmaßlichen Terroristen blockiert Deutschland nach Informationen des Hamburger Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" seit Monaten ein Rechtshilfeersuchen der amerikanischen Justiz. Die Ermittlungen richteten sich gegen den in den USA angeklagten Moussaoui. Der Franzose marokkanischer Herkunft wird verdächtigt, als 20. Attentäter bei den Anschlägen am 11. September eingeplant gewesen zu sein.

Bereits im Februar hätten die US-Behörden das Justizministerium in Berlin ersucht, Beweismittel zu übergeben, die den in den USA in Haft sitzenden Moussaoui schwer belasteten. Obwohl die Unterstützung im Anti-Terror-Kampf als politisch notwendig gelte, wolle die deutsche Regierung jedoch vermeiden, an einem Todesurteil mitzuwirken, heißt es in dem "Spiegel"-Bericht. Den Vorschlag des deutschen Justizministeriums, die US-Justiz könne doch auf die Verhängung oder Vollstreckung der Todesstrafe gegen Moussaoui verzichten, hätten die Amerikaner abgelehnt. Trotz monatelanger Verhandlungen einer Gruppe deutsch-amerikanischer Spitzenbeamter zeichne sich nun noch immer keine Lösung ab.

Nach deutschen Ermittlungen soll Moussaoui direkte Verbindungen zur Hamburger Terrorzelle unterhalten haben. So habe ihm die Gruppe um Mohammed Atta im August des vergangenen Jahres zwei Mal Geld für eine Pilotenausbildung in den USA überwiesen, berichtete der "Spiegel". (APA/AP)

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