Dreier-Konglomerat an KirchMedia interessiert

8. Juni 2002, 19:49
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Unter den Interessenten: Commerzbank, WAZ-Gruppe sowie ein Hollywood-Unternehmen

Frankfurt/Main - Eine aus drei Interessenten bestehende Gruppe plant nach Darstellung des deutschen Nachrichtenmagazins Der Spiegel" eine Übernahme der wesentlichen Bestandteile der vorläufig insolventen KirchMedia. Laut einem Vorausbericht vom Samstag handelt es sich um die Commerzbank, die Essener WAZ-Gruppe und das Hollywood-Studio Columbia TriStar. Mit der Eröffnung des Konkursverfahrens über die KirchMedia wird für kommende Woche gerechnet.

Dem Bericht zufolge bestätigte KirchMedia-Geschäftsführer Hans-Joachim Ziems lediglich "konkrete Gespräche in einem fortgeschrittenem Stadium", ohne auf die Gesprächspartner einzugehen. Er wurde aber mit den Worten zitiert: "Wir brauchen dringend eine schnelle Lösung, um für unsere Partner, Investoren und Mitarbeiter wieder interessant und geschäftsfähig zu sein."

Personalabbau vorgeschlagen

Laut "Spiegel" ließen sich Vertreter der drei Interessenten am Freitag in der Commerzbank-Zentrale in Frankfurt die Ergebnisse eines Gutachtens der Unternehmensberatung Roland Berger vorstellen. Darin werde eine Auffanglösung unter der Bezeichnung "KirchMedia-Gruppe 2.0" mit stark verringertem Personal vorgeschlagen, in der die wesentlichen Bestandteile der jetzigen KirchMedia - Film- und Sportrechtehandel sowie die Mehrheitsbeteiligung an der ProSiebenSat.1 Media AG - enthalten sein sollten. Auch das Deutsche Sportfernsehen (DSF) solle dazugehören, allerdings nur, wenn die Bundesliga-Übertragungsrechte bei KirchMedia verblieben. Laut einem Vorausbericht des Nachrichtenmagazins "Focus" sondieren ARD und ZDF die Möglichkeiten, die Bundesliga-Übertragungsrechte zu erwerben.

WM-Übertragungen von ARD und ZDF offenbar gesichert

Die weiteren Live-Übertragungen der ARD und des ZDF von der Fußballweltmeisterschaft in Japan und Südkorea sind offenbar gesichert. Die Fernsehanstalten teilten am Freitagabend mit, sie hätten sich mit der KirchMedia darauf geeinigt, dass die - nicht von dem Insolvenzverfahren betroffene - KirchMedia WM AG in Zug in der Schweiz den Vertrag über die Senderechte übernehmen solle. Die Einigung müsse aber noch vom vorläufigen Insolvenzverwalter der KirchMedia gebilligt werden. Die beiden öffentlich-rechtlichen Anstalten hatten von KirchMedia das Recht zur Übertragung von mindestens 24 WM-Spielen erworben. Der ARD-Vorsitzende Fritz Pleitgen hatte sich in scharfer Form gegen Überlegungen der Insolvenzverwalter der KirchMedia-Gruppe gewandt, den Anstalten im Zug des Insolvenzverfahrens die Übertragungsrechte zu entziehen und sie anderweitig zu verkaufen. Pleitgen hatte Schadenersatz- und Rückforderungen angedroht.

Nach Informationen des Nachrichtenmagazins "Focus" soll bereits Anfang der Woche ein unterschriftsreifer Vertrag vorliegen. Es hieß, die beiden Anstalten wollten die fällige letzte Rate für die WM 2002 in Höhe von 50 Millionen Euro nur dann zahlen, wenn der daran gekoppelte Abschluss eines Vertrags über die Übertragungsrechte bei der Weltmeisterschaft 2006 gesichert sei. Im Gegenzug solle KirchMedia für ihr Bezahlfernsehen (Pay TV) Zugriff auf Aufnahmen der Öffentlich-Rechtlichen von den Olympischen Spielen und der Fußball-Europameisterschaft 2004 erhalten. (APA/AP)

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