FDP distanziert sich von FPÖ

7. Juni 2002, 21:39
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Vizechef Rainer Brüderle: "Keine Tendenz zur Haiderisierung"

Wien - FDP-Vizechef Rainer Brüderle hat sich in einem Interview mit der "Presse" von der FPÖ scharf distanziert. Auf die Frage, ob es die vielzitierte Tendenz zur "Haiderisierung" in seiner Partei gebe, erklärte Brüderle: "In keinster Weise! Die 80.000 Mitglieder der FDP sind heute noch dieselben wie vor vier Wochen." Der stellvertretende FDP-Vorsitzende erinnerte auch daran, dass unter dem früheren FDP-Chef Otto Graf Lambsdorff die FPÖ aus der Liberalen Internationale ausgeschlossen worden sei. "Mit der FPÖ gibt es überhaupt keine Gemeinsamkeit", betonte Brüderle.

Die FDP habe sich "weder in ihren Grundachsen noch in ihrem Programm geändert". Wer seriös die politische Landschaft betrachte, könne keine Rechtspopulisten in der FDP erkennen. "Eine Entwicklung der politischen Landschaft wie in Österreich halte ich in Deutschland nicht für möglich. Aber natürlich, wir dürfen die Empfindung von Patriotismus nicht extrem politischen Kräften überlassen. Wenn man völlig unterdrückt, was normal wäre, dann kommen diese Empfindungen in falsche Hände. Aber die Dosierung ist das Entscheidende", sagte Brüderle.

Angesprochen auf sein Verhältnis zu seinem Kollegen Jürgen Möllemann meinte Brüderle: "Ich kenne seine (Möllemanns) Stärken und Schwächen. In den letzten Tagen waren seine Schwächen markanter. Er hat seine Fehler öffentlich korrigiert und sich entschuldigt". Dass er Michel Friedman aus seiner Entschuldigung ausgenommen hat, bedaure er, so der FDP-Vize. "Ich hoffe, dass er den Konflikt bald in Ordnung bringt."

Die letzten Tage, meinte Brüderle, dürften der FDP eher geschadet haben. "Wir haben eine Delle abgekriegt. Aber das ist durch gute Arbeit wieder ausgleichbar. Es gibt ja 50 Prozent Wechselwähler..." FDP-Parteichef Guido Westerwelle steht nach Meinung Brüderles gestärkt da, "seit er gehandelt hat. Heute steht die Partei eher noch geschlossener hinter ihm." (APA)

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