"Personalmanagement ist wie Autofahren"

11. Juni 2002, 12:13
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Mitarbeiterabbau versus demografischer Knick - Johanna Zugmann sprach mit den Personalberatern Gundi Wentner und Christian Havranek über vergangene und künftige Personalmarktentwicklungen.

Standard: Was sind aktuell die größten Herausforderungen im Personalmanagement?

Wentner: Mit weniger Menschen dieselben beziehungsweise sogar mehr Aufgaben zu bewältigen. Damit gewinnt die Qualität der Mitarbeiter in Schlüsselpositionen weiter an Bedeutung. Unternehmensintern werden Aktivitäten wie die strategieverbundene Entwicklung von Nachwuchskräften und Qualität im Führungsprozess forciert.

Havranek: Eine weitere große Herausforderung stellt die Flexibilisierung in funktionaler, zeitlicher und geografischer Sicht dar. Da haben wir es mit einem Paradoxon zu tun: Einerseits werden dringlicher denn je flexible Mitarbeiter benötigt, die sich sehr stark mit ihrem Job identifizieren. Andererseits kann aber immer weniger Sicherheit geboten werden. Zu Win-Win-Situationen führt ein umfassendes Personalmanagementsystem. Employability als Leitmotiv, also die Sicherung der Beschäftigungsfähigkeit von Mitarbeitern am aktuellen Arbeitsmarkt, löst die Beschäftigungsgarantien ab.

Standard: Wie hat sich die Qualität der Human-Resources-Manager in den vergangenen zehn Jahren entwickelt?

Wentner: Personalmanagement ist Teil jeder Strategieentwicklung ...

Havranek: Vorstandsdirektoren, Geschäftsführer und Aufsichtsräte wollen jetzt über Personalthemen reden. Sie haben erkannt, dass sie Projekte, wie zum Beispiel Marktbearbeitung in den CEE-Ländern nur mit entsprechendem Humankapital bewältigen können. Sein Fehlen stellt eine Strategiebehinderung dar. Die Qualität des Personalmanagements und der Human-Resources-Manager hat sich enorm entwickelt. Österreich braucht heute keinen internationalen Vergleich zu scheuen.

Standard: Wie haben sich die Qualifikationen und die Prioritäten der Bewerber bei der Arbeitgeberwahl verändert?

Wentner: Hochspezialisierte oder besonders gute Führungskräfte sind nach wie vor rar und können es sich daher leisten, sehr selektiv vorzugehen. Sie legen auch großen Wert auf Personalentwicklung, aber weniger im Sinne einer hierarchischen Karriere als im Sinne persönlicher Weiterentwicklung. Außerdem wächst der Wunsch nach Work/Life-Balance.

Havranek: Das ist ein Zukunftsthema. Allein schon aufgrund der antizipierbaren Altersstrukturen in den Unternehmen in den nächsten zwei Jahrzehnten.

Standard: Wie beurteilen Sie die Zukunft der Personalberaterbranche?

Wentner: Die Innovationsgeschwindigkeit hat enorm zugenommen. Schwierige konjunkturelle Lagen generieren großen Beratungsbedarf im Human-Resources-Bereich.

Durch unsere strategische Allianz mit Deloitte & Touche sind wir ein Teil eines internationalen Netzwerkes von Human-Recources-Spezialisten und dieses Know-how kommt auch den Kunden zugute.

Standard: Unternehmen entlassen derzeit massenweise Personal. Orten Sie bereits ein Problembewusstsein für den im Jahr 2007 bevorstehenden demografischen Knick?

Wentner: Im Moment nicht. Die Arbeitgeber sind kurzfristig in einer vermeintlich stärkeren Position.

Havranek: Aber mittelfristig wird man Mitarbeiter viel stärker nach Altersgruppen und Funktionen in verschiedene Zielgruppen segmentieren und danach die Human-Resources-Arbeit ausrichten. Zum Wissensmanagement wird auch gesteuerter Know-how-Transfer zwischen den Generationen in Unternehmen gehören.

Die Human-Resources-Abteilungen werden als interner Dienstleister teils über Self-Service im Intranet, über rasche E-Mail-Unterstützung für Führungskräfte und Mitarbeiter und in persönlicher Beratung vor Ort daran gemessen werden, welchen Beitrag zum Strategiebereich und zur Unternehmensentwicklung sie leisten. Sie dabei zu unterstützen wird die Aufgaben in der Beratung prägen.

Personalmanagement ist wie Autofahren, wenn du den Fuß vom Gaspedal nimmst, wirst du langsamer.


Gundi Wentner und Christian Havranek gründeten vor zehn Jahren Wentner & Havranek, Institut für Unternehmensberatung. Neben klassischen Dienstleistungen wie Search & Selection bietet das nunmehr 40 Mitarbeiter beschäftigende Unternehmen auch Beratung im Human-Resources-Management.

Die Palette der angebotenen Dienstleistungen reicht von Gehalts- und Führungssystemen bis 360-Grad-Feedback, HR-Audits, und Human Capital Transformation. Das Unternehmen arbeitet seit 2001 in einer strategischen Allianz mit Deloitte & Touche.

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