Vom Skeptiker zum Begeisterten

7. Juni 2002, 19:48
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Die steirische Kräuterin überwältigt mit unberührter Naturschönheit

Schon mancher begann eine Bergwanderung auf den Hochstadl, die höchste Erhebung der Kräuterin, als Skeptiker und beendete sie als Begeisterter. Von der Spitze des zwischen Hochschwab und Dürrenstein liegenden Kalkstocks genießt der Wanderer nämlich ein Panorama, welches nur in Superlativen zu beschreiben ist. Da überblickt man den gesamten Höhenzug des "Schwaben" mit dem hervorstechenden Ebenstein und der Riegerin, sieht vom Ötscher über Dürrenstein und Hochkar bis zu den Gesäusebergen und zum Toten Gebirge und hat auch Sicht auf den Großen Rothwald, eines der letzten Urwaldgebiete unseres Landes.

Erst die Arbeit, . . .

Zugegeben, der Anstieg ist lang und etwas mühsam, allerdings nicht schwierig. Man hat ein gutes Stück auf einer Forststraße zu absolvieren; wenn man dann aber oberhalb der Nappenbachklause und der Kräuterinhütte durch eine Traumlandschaft am Fuße des Fadenkamps wandert, wird man reichlich für den vergleichsweise eintönigen Beginn entschädigt.

"Etwas entlegen" steht in einer älteren Wanderbeschreibung, aber gerade diese Abgeschiedenheit erhöht den Reiz des Berges, auf dem man mit keinerlei touristischem Rummel zu rechnen braucht. Man findet eine intakte alpine Pflanzenwelt vor, mit etwas Glück bekommt man sogar einen Steinadler zu Gesicht, der in den steilen Mauern des Hochschwabs seinen Horst hat. Dass sich in dieser Einsamkeit auch mitunter der Bär aufhält, überrascht nicht weiter; den scheuen Meister Petz bekommt man allerdings kaum zu sehen, denn er trollt sich, sobald er mit seinem überaus empfindlichen Gehör den Wanderer und Bergsteiger bemerkt hat.

Das Gipfelkreuz steht nicht auf dem Gipfel, sondern etwas daneben, damit man es von unten besser sehen kann.

Es stellt keinen Nachteil dar, dass man kaum eine Runde zustande bringt. Es gibt zwar die Möglichkeit, über den Plotschboden und Forststraßen zurückzukehren, besonders reizvoll ist diese Variante aber nicht.

(DER STANDARD, Printausgabe 8./9. 6.2002)

Von Bernd Orfer

Die Route:

Ausgangspunkt ist Dürradmer, das man von Mariazell und Gusswerk aus erreicht. Bei der Fangbrücke beginnt die rot markierte (Nummer 289) Forststraße zur Nappenbachklause, von der es steiler zur Kräuterinhütte hinaufgeht. Ab Dürradmer zwei Stunden. Dann erreicht man ein breites Hochtal am Fuße des Fadenkamps und gelangt - über einen Sattel hinweg und über ein kurzes Steilstück - zum Gipfel des Hochstadls. Ab Kräuterinhütte 1 Stunden. Für den Rückweg auf der Anstiegsroute braucht man etwa drei Stunden.

Abstiegsvariante: Man wandert auf der Anstiegsroute ein Stück zurück und steigt an der roten Markierung 286 Richtung Rottmoos bis zum Plotschboden ab, um dann auf nicht markierten Forststraßen Richtung Dürradmer zu queren.
Gesamtgehzeit 6 Stunden,
Höhenunterschied ca. 1100 Meter. Kräuterinhütte in der Almsaison einfach bewirtschaftet. Bundesamtskarte 1:25.000 oder 1:50.000,
Blatt 101 (Eisenerz) und
102 (Aflenz Kurort).
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