Der Geschmack der Kirsche

7. Juni 2002, 19:40
posten

Die Kirschen in Nachbars Garten, die Peter Alexander einst besang, werden immer seltener

Kirschen gehören zu den wenigen Obstsorten, die in heimischen Supermärkten noch nicht das ganze Jahr hindurch angeboten werden. Umso größer ist die Freude, wenn die begehrten Früchte endlich reif werden - je nach Sorte etwa von Juni bis August.

Bereits vor 3000 Jahren genossen die Chinesen das Aroma der ursprünglich wilden Vogelkirschen; Karl der Große veranlasste im deutschsprachigen Raum die Anpflanzung veredelter Kirschbäume. In Österreich waren früher viele Gegenden von Hochstammkirschbäumen geprägt: Diese standen in Weingärten, auf Ackerflächen und an Straßenrändern, erfüllten wichtige ökologische Funktionen und stellten etwa im Nordburgenland einen bedeutenden Wirtschaftsfaktor dar.

Heute sind Hochstammkirschen rar geworden und als gefährdetes Landschaftselement erhaltenswürdig. Einige Initiativen versuchen nun, die alten Baumbestände zu retten; dabei soll die Vermarktung alter Sorten und neuer Produkte auf die Vorzüge der Kirschen aufmerksam machen: Sie sind reich an Vitaminen, Fruchtsäuren und Mineralstoffen, und 100 Gramm enthalten nur 265 kJ bzw. 62 kcal.

Kirschen erscheinen in vielen Farben - Gelb, Rot, Schwarz - und Formen - von rund bis herzförmig. Sie können groß oder klein, süß oder sauer/bitter sein, viel Fruchtfleisch oder einen großen Stein (vulgo Kern) haben. Grundsätzlich unterscheidet man zwischen Süß- und Sauerkirschen (Weichseln) und deren Kreuzungen; alle gehören zu den Rosengewächsen.

Da Kirschen nicht nachreifen, müssen sie in optimalem Zustand vom Baum geerntet werden. Wichtig: Stängel unbedingt dranlassen, sonst "verbluten" die Früchte. Wegen ihrer dünnen Schale sind die meisten Sorten sehr empfindlich und halten nur ein bis zwei Tage. Ausnahmen bilden die so genannten Knorpelkirschen, die etwa eine Woche gelagert werden können. (DER STANDARD, Printausgabe 8./9. 6.2002 )

Wie auch bei anderen Früchten sterben immer mehr alte Sorten aus, Streuobstwiesen fallen wirtschaftlichen Überlegungen zum Opfer. Von Marie-Therese Gudenus

INFOS UND KONTAKT:

Arge Streuobst,
Andreas Spornberger, Institut f.
Obst- und Gartenbau der Boku
Wien, Tel. (01) 47 654-3402

Share if you care.