Die Klangstrahlen des Kosmos

7. Juni 2002, 19:02
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Osloer Philharmoniker im Musikverein

Wien - "Man ist sozusagen das ganze Instrument, auf dem das Universum spielt", beschrieb Mahler seiner damaligen Jugendliebe Anna von Mildenburg die 3. Sinfonie. Wien hatte damals den Ehrgeizigen noch nicht hinausintrigiert. Sein Werk, das die Schöpfung in gewisser Weise nachmalen sollte, wurde grad am Attersee beendet, sogar die Berge waren "schon wegkomponiert".

Streichertremoli und Holzbläserakkorde, liebliche Melodien in Oboe und Solovioline - keine Frage, Mariss Jansons wusste mit dem Philharmonischen Orchester Oslo wie er Atmosphäre gleich im ersten Satz beschwören kann. Die nächsten standen auf einer anderen Sprachebene: Die Blumen aus Mahlers Programm scheinen zart, dann der Eintritt der menschlichen Stimme ins musikalische Geschehen. Violeta Urmana sang den Nietzsche-Vers gleich der Wagnerschen Rheingold-Göttin Erda: unerschütterlich, ewig-wahrhaftig.

Bevor der sechste Satz eine ganz eigene Ruhe strömen lässt, brachten zwei Chöre (Singverein und Sängerknaben) ihre Lieder dar. Jansons bewies auch, dass Mahler lange vor Charles Ives ein Meister der Collage war. Die Militärmärsche klebten nicht nur aneinander, sie fielen einander ins Wort. Ein Schaufenster mit Dekorationsstücken und Requisiten der Monarchie?

Jansons meinte es anders: Er hat aus dem dynamisch reichen ersten Block die anderen Sätze wie Fächerstränge in verschiedene Richtungen hinauswachsen lassen, bis der letzte Satz den ausgebreiteten Fächer dann wieder zusammenfaltete. (henn/DER STANDARD, Printausgabe, 8.6.2002)

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