Dubai: Gigantomanie im Sand

7. Juni 2002, 20:31
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Emirat investiert zweistellige Euromilliarden in Luxustourismus-Infrastruktur

Das Emirat investiert scheinbar unbeirrt von Terrorangst weiter jährlich Euromilliarden in den Ausbau der touristischen Infrastruktur. Ambitioniertes Ziel: In einigen Jahren soll Dubai die beliebteste Tourismusdestination der Welt sein. Mit Superlativen wird auch sonst alles andere als gegeizt. Dubai soll London als wichtigstes Goldhandelszentrum der Welt ablösen.

Das ist nur eine kleine Auswahl der hochfliegenden Pläne des pferdeverliebten Herrschers von Dubai, Mohammad Ibn Raschid al Maktum, zugleich Premier- und Verteidigungsminister der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE). Einer seiner oft zitierten Wahlsprüche: "Der Wettbewerb um die Höchstleistungen kennt keine Ziellinie." Insgesamt werden bis 2008 alleine in zwei neue Luxusstadtteile sechs Mrd. Euro investiert, dazu kommen noch ein Hand voll Milliarden in den Flughafen und andere kleinere Projekte. Nicht kleckern, sondern klotzen: Dieses Motto könnte hinter dem Megaprojekt Palm Island stehen, Kosten rund drei Mrd. Euro.

Rekordprojekt

Ein wahres Rekordprojekt: Die größte menschengemachte Insel, sie soll sogar vom Mond zu sehen sein. Zwei gleich große Inseln, geformt wie riesige Palmen von jeweils 17 Wedeln, werden derzeit ins Meer gesetzt: Umringt wird die Palme von einem elf Kilometer langen künstlichen Riff. Die Länge zwischen Stamm und Kronenspitze beträgt fünf Kilometer. 80 Millionen Kubikmeter Sand und Felsen müssen bewegt werden.

Auf den Palmenwedeln stehen rund 2000 Luxusvillen (zur Auswahl stehen rund 20 verschiedene Stile von Ranch-Style über Japanisch bis Riviera). Auch wenn Palm Island erst 2005 fertig wird, war die erste Palme schon nach wenigen Wochen verkauft. Das bei Villenpreisen von einer halben Mio. Euro aufwärts. Nach oben gibt es natürlich keine Grenzen, nur den Himmel. Auf dem Stamm der Palme sind 40 Luxushotels, zwei Yachthäfen und ein Meeresaquarium vorgesehen, das Florida den Rang ablaufen soll. Zum Drüberstreuen noch Kinos und Einkaufstempel. Zum Gold drängt es, am Golde hängt es: Ums Kaufen und Einkaufen dreht sich fast alles im Luxus-Disneyland am Golf. Reichtum und Protz zur Schau zu stellen, ist in Dubai keine Sünde, sondern im Gegenteil eine Tugend.

Stiller Alleinerbe

Im Vergleich gerade zu bodenständig ist Abu Dhabi, die VAE-Hauptstadt. Auch hier wird die Skyline von Stahl-und Glaskolossen gezogen, aber nach dem Mega- und dem Gigafaktor sucht man vergebens. Grund der Diskretion: Abu Dhabi ist das um Dimensionen größte Ölförderland innerhalb der Emirate. Man macht bieder in Petrodollars.

Dazu kommt: Der Regent Zayed bin Sultan Al Nahayan ist VAE-Präsident. Größtes Fragezeichen für die weitere Entwicklung, auch für Dubais Milliardenpläne: Welchen Kurs wird der Nachfolger des 84-jährigen Regenten steuern? (Clemens Rosenkranz aus Dubai/DER STANDARD, Printausgabe, 8.6.2002)

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