Telekom wieder allein zu Haus

7. Juni 2002, 19:14
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Vollprivatisierung der Telekom Austria verzögert sich trotz Rückzugs der Telecom Italia

Wien - Die Telekom Austria (TA) verabschiedet ihren "strategischen Partner" Telecom Italia (TI) und holt die Handytochter A1 Mobilkom für 690 Mio. Euro "heim ins Reich", wie sich TA-Chef Heinz Sundt ausdrückt. Noch heuer senkt die TI ihren Anteil an der TA von 29,8 Prozent auf unter 20 Prozent durch die Platzierung von bis zu 75 Millionen Aktien (15 Prozent) an der Börse. Der stets als Hemmschuh der Partnerschaft bezeichnete Syndikatsvertrag erlischt, sobald mehr als zehn Prozent der TI-Aktien verkauft sind, aber spätestens Ende April kommenden Jahres.

Die verbleibenden Anteile verkaufen die Italiener im Jahresverlauf 2003, ebenso trennt sich der TA-Hauptaktionär, die staatliche Beteiligungsholding ÖIAG (47,8 Prozent) von TA-Anteilen - aber wesentlich langsamer als bisher vermutet. Aus der im Regierungsprogramm festgeschriebenen Vollprivatisierung der TA in dieser Legislaturperiode wird höchstwahrscheinlich nichts.

Erst 2003 hat die ÖIAG laut Vertrag mit den Italienern das Recht, die ersten 25 Mio. Aktien (fünf Prozent des TA-Grundkapitals) im Rahmen einer Aktienplatzierung zu verkaufen. Weitere Anteile könnten 2003 durch außerbörsliche Verkäufe abgegeben werden, etwa an Fonds.

Mobilkom börsereif

Zur Zukunft der Mobilkom, die "Cashcow" in der TA-Gruppe, gibt es zwei Szenarien: Börsengang oder Verkauf an einen ausländischen Konzern. Vereinbart wurde, dass bis Ende 2003 kein Börsengang der Mobilkom erfolgt, außer die TI-Beteiligung an der TA sinkt schon vorher unter fünf Prozent, oder es kommt zu einer so genannten "Verschwesterung" zwischen TA und Mobilkom. In diesem Falle würde die Handytochter gleichberechtigt neben dem bisherigen Mutterkonzern stehen, und beide könnten dann an der Börse notieren. Die TA selbst wird auf absehbare Zeit keinen neuen strategischen Partner bekommen. ÖIAG-Vorstand Peter Michaelis sagte, dass eine strategische Partnerschaft angesichts der "desaströsen Entwicklung" am internationalen Telekommarkt derzeit fast ausgeschlossen sei. Nicht nur die TI sitzt auf einem gigantischen Schuldenberg.

Colombo bleibt

Durch den Rückzug der Italiener verlieren diese das Nominierungsrecht für zwei Vorstände, zwei Aufsichtsräte sowie das Zustimmungsrecht für die erste Managementebene unter dem Vorstand. Nur TA-Finanzchef Stefano Colombo behält seinen Job. Sein Vertrag wird bis April 2005 verlängert. Auch Boris Nemsic, der als Generaldirektor der Mobilkom nun auch im TA-Vorstand sitzt, wurde bis April 2005 bestellt.

Die Börsianer goutieren den Rückkauf der Sperrminorität (25 Prozent plus eine Aktie) an der Mobilkom durch die TA offenbar nicht, obwohl der Preis von 690 Mio. Euro als attraktiv gilt. Im April 1997 hatten die Italiener 610 Mio. Euro bezahlt. Investmentbanken haben die Mobilkom schon mit bis zu einer Mrd. Euro bewertet. TA gaben am Freitag in Wien um 3,64 Prozent auf 8,48 Euro nach. (miba/DER STANDARD, Printausgabe, 8.6.2002)

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    Telekom-Austria Generaldirektor Heinz Sundt und der neue TA-Vorstand Boris Nemsic

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