Berlusconi baut Autobahnen

7. Juni 2002, 19:06
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Italiens Regierung will auch die längste Brücke der Welt errichten

Mit Großbauten will Italiens Regierung Arbeitsplätze schaffen. 50 Milliarden Euro sollen in den nächsten drei Jahren in enorme Infrastrukturbauten investiert werden. Neue Autobahnen sollen entstehen, Häfen sollen ausgebaut, das Hochgeschwindigkeitsnetz der Bahn weitergebaut werden.

Das vorgestellte Bauprogramm der Mitte-rechts-Regierung umfasst fast 300 Großprojekte. Die wichtigsten sind der Ausbau der Autobahn zwischen Neapel und Reggio Calabria sowie zwischen Bologna und Florenz, wo Teile der Autobahn verdoppelt und untertunnelt werden sollen. In Norditalien soll eine neue Autobahn die stets überlastete Route Turin-Triest entschärfen. Neue Hochgeschwindigkeitsprojekte der Bahn sollen Richtung Frankreich, Schweiz und Österreich führen.

Auch ein "Weltmeister-Projekt" darf nicht fehlen: Die seit Jahrzehnten diskutierte Brücke zwischen dem Festland und Sizilien werde endlich gebaut, versicherte Berlusconi. Mehr als fünf Milliarden Euro soll sie kosten, acht Autobahnspuren und zwei Bahnspuren sollen gelegt werden; mit einer Länge von 3360 Metern wird die neue Brücke die längste frei hängende Brücke der Welt sein.

Kritikern, die - angesichts der Tatsache, dass die Staatsschulden unter Berlusconi bereits jetzt auf ein Rekordhoch von 1,358.000 Euro gestiegen sind - die Finanzierbarkeit der Projekte bezweifeln, erklärte der Premier, viele Bauten würden im Mischverfahren Staat-Private erstellt, eine Menge Großinvestoren hät- ten schon Interesse angemeldet.

Allerdings werden selbst im Verkehrsministerium die optimistischen Schätzungen über die Machbarkeit der "Jahrhundert-Bauwerke" nicht unwidersprochen gelassen: Einem Staatssekretär, der die Rentabilität des Brückenbaus nach Sizilien angezweifelt und die Regierung ermahnt hatte, nicht "Hoffnungen über die reellen Zahlen zu stellen", wurde kurzerhand das Vertrauen entzogen.

(DER STANDARD, Printausgabe, 8.6.2002)
Andreas Feichter aus Rom
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