Möllemann verteidigt neuerlich Kritik an Israel

8. Juni 2002, 22:15
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"Darf kein Tabu sein"

Recklinghausen - Der stellvertretende FDP-Vorsitzende Jürgen Möllemann hat seine Kritik an Israel erneut verteidigt. Zugleich kündigte Möllemann am Samstagabend am Rande einer FDP-Veranstaltung in Recklinghausen an, sich auch künftig in aller Schärfe zur israelischen Politik zu äußern. "Es muss mögliche sein, (Israels Ministerpräsidenten Ariel) Sharon mit alle Härte anzugreifen", sagte Möllemann.

Im Nahost-Konfliktes gebe es ein konkretes Tabu, dass man Sharon nicht wie andere Politiker angreifen dürfe. Tabubruch bedeute im konkreten Einzelfall, das vermeintlich nicht Thematisierbare anzusprechen. "So ist es auch mit dem Nahost-Konflikt", sagte Möllemann.

Auf die Frage, ob er sich beim Vize-Präsidenten des Zentralrates der Juden in Deutschland, Michel Friedman, noch entschuldigen wolle, sagte Möllemann, zu diesem Thema sei alles gesagt. Möllemann hatte sich am Donnerstag auf Druck von FDP-Parteichef Guido Westerwelle bei den Juden in Deutschland für Äußerungen entschuldigt, in denen er Friedman und Sharon als mitverantwortlich für antisemitische Haltungen bezeichnet hatte. Nur Stunden später nahm er Friedman ausdrücklich von dieser Entschuldigung aus.

Danach legte Möllemann auch noch Alt-Liberalen wie Hildegard Hamm-Brücher und Gerhart Baum den Parteiaustritt nahe. Westerwelle reagierte darauf mit Bedauern und Missbilligung. Angesprochen auf parteiinterne Kritik an seiner Person, sagte Möllemann, er sei als Fallschirmspringer bisher immer heil gelandet. Insgesamt fühle er sich in seiner Position bestätigt. Er habe in den vergangenen Wochen rund 35.000 Zuschriften aus der Bevölkerung erhalten, die ihn ermutigt hätten.

Beim Eintreffen Möllemanns kam es zu Tumulten. Einige Demonstranten skandierten: "Solidarität mit Israel". Andere riefen: "Mörder Sharon". Über die pro-israelischen Proteste sagte Möllemann, es handle sich um eine "kleine, bestellte Gruppe". (APA/Reuters)

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