"Stinkefinger und Müllmann"

7. Juni 2002, 18:02
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Ton in der Möllemann-Debatte verschärft sich

Hannover/Berlin - Die anhaltenden Angriffe des stellvertretenden FDP-Chefs Jürgen Möllemann gegen Parteifreunde und den Vizepräsidenten des Zentralrats der Juden, Michel Friedman, haben auch bei seinen Gegnern ungewöhnliche Reaktionen ausgelöst. Die Berliner "Tageszeitung" erklärte ihre Samstagausgabe zur "Möllemann-freien Zone". Und der Vorsitzende der jüdischen Gemeinden in Niedersachsen, Michael Fürst, nannte den FDP-Politiker am Freitag einen "politischen Stinkefinger und Müllmann", der immer nur seine eigenen Interessen verfolge.

Die "taz" kündigte an, sie werde die "Möllemann-freie Zone" in ihrer Samstagausgabe mit einem Stempel im Titelkopf garantieren. Die Redaktion habe sich darauf verständigt, alle Passagen zu streichen, in denen Möllemann thematisiert werde. Das gelte auch für den Aufmacher im Kulturteil, der sich mit Martin Walsers umstrittenem Roman "Tod eines Kritikers" beschäftige, sowie für einen Abschnitt in einem Interview mit dem Regisseur Christoph Schlingensief. "Möllemann soll sich den Platz gefälligst kaufen, den er für seine Inszenierungen braucht", erklärte der stellvertretende Chefredakteur Thomas Eyerich, fügte aber hinzu, dies werde schwierig, denn: "Wir drucken keine Anzeigen von Antisemiten."

In einem Rundfunkinterview von NDR 1 Niedersachsen benutzte Fürst seine Formulierung vom "Stinkefinger" und "Müllmann". Die Entschuldigung Möllemanns gegenüber den jüdischen Bürgern halte er für unwahr, sagte der Vorsitzende der jüdischen Gemeinde des Bundeslandes. Da der FDP-Politiker Friedman davon ausgenommen habe, fühle auch er sich ausdrücklich ausgenommen.

Möllemann selbst sagte unterdessen zwei im Rahmen seiner Wahlkampagne geplante Fallschirmsprünge am Samstag in Solingen und Leverkusen ab. Am 18. Juni will der FDP-Politiker aber mit 17 weiteren Fallschirmspringern auf der Documenta in Kassel wieder die Reißleine ziehen. (APA/AP)

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