"Nervenkrieg" im Finale

7. Juni 2002, 20:19
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Hektische Verhandlungen mit Interessent Donau Design, bis Vorstand abwinkt - Ein Wettlauf mit der Zeit

Wien - Die am Freitag überraschend fortgesetzten Verkaufsverhandlungen zwischen dem Libro-Management, den Gläubigerbanken und dem neu aufgetauchten Interessenten, dem österreichisch-schweizerischen Büro- und Schulbedarfhersteller Donau Design GmbH, wurden von Verhandlungsteilnehmern als "sehr hektisch" bezeichnet. Kein Wunder, sind die Gespräche mittlerweile ein einziger Wettlauf gegen die Zeit, respektive den Zeitpunkt des Konkursantrages durch Libro-Chef Werner Steinbauer.

Der Gang zum Konkursrichter wird für Anfang nächster Woche erwartet, da die Chancen auf eine Einigung mit Donau Design von Insidern als gering eingestuft werden. Ein Banker sprach von "Nervenkrieg" und sagte: "Solange sich das Management das traut, gibt es die Firma." Das Drohpotenzial ist, dass bei verspäteter Anmeldung der Libro-Vorstand der Konkursverschleppung bezichtigt und belangt werden könnte.

Zitterpartie

Über das Wochenende sollen die Verhandlungen fortgesetzt werden. Am Freitag lag noch kein verbindliches Kaufoffert und kein Finanzierungsnachweis für die erforderlichen 40 bis 50 Mio. Euro auf dem Tisch. Steinbauer sagte zum STANDARD: "Solange ich in den Gesprächen merke, dass die Banken Möglichkeiten der Finanzierung sehen und der Investor glaubhaft machen kann, dass er die Finanzierung darstellen kann, wird weiter verhandelt." Sollten die Gespräche nicht fruchten, sprach Steinbauer vom Konkursantrag "eventuell Montagfrüh". Demgegenüber hieß es seitens der Banken, dass Donau Design erst am Donnerstag ein Übernahmekonzept präsentieren wolle. Von Bankern wurde zuletzt der Konkurs trotz einiger Kaufinteressenten als wahrscheinlichstes Szenario dargestellt, da nur nach der Insolvenz die offenen Mitarbeiterforderungen vom Insolvenzfonds übernommen werden und eventuelle Käufer nur nach dem Konkurs aus den langfristigen Mietverträgen für die 242 Standorte herauskommen. Sollte der Konkurs schlagend werden, gilt Anwalt Günther Viehböck, Bruder des "Austronauten" Franz Viehböck, als wahrscheinlicher Masseverwalter.

Der Schuldenstand im Konkursfall wird mit 436 Mio. Euro bewertet. Vor einem Jahr bei Ausgleichseröffnung waren es 327 Mio. Euro. Das damalige Sanierungskonzept sah den wirtschaftlichen Turnaround bis zum Jahr 2004 vor, wobei der Einstieg eines Investors mit frischem Eigenkapital stets als Voraussetzung der Sanierung genannt wurde.

Die Donau Design GmbH geht aus der früheren Stefan Stern GmbH hervor, die 2001 zu 74 Prozent von dem Schweizer Büroartikel-Produzenten Biella-Neher gekauft wurde. Der frühere Libro-Interessent, der Welser Papier- und Bürowarenhändler Anton Stahrlinger, dürfte mittlerweile aus dem Rennen sein. (Michael Bachner/DER STANDARD, Printausgabe, 8.6.2002)

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