(K)ein Mandat: Reinhart Gauggs gesammeltes Schweigen

7. Juni 2002, 22:47
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Der FPÖ-Sozialsprecher ist verärgert, pflichtet Parteichefin Riess-Passer bei, sagt nichts, wartet auf Vertrag

Wien - Der Terminkalender ist voll. Donnerstag: Sozialausschuss im Parlament. Freitag: Sitzung in der Pensionsversicherung. Sonntag: FPÖ-Parteitag. Und dazwischen für Reinhart Gaugg am Programm: Ärger, Ärger, nichts als Ärger. "Über einen Doppelmörder in Amerika wird weniger berichtet, als über jemand, der eine Ausschreibung gewinnt", schnaubt er. Und hat für alles eine einfache Verschwörungserklärung: "Das Trommelfeuer, das auf mich losgelassen wird, ist darauf zurückzuführen, dass erstmals in der Geschichte des Hauptverbandes ein Blauer hineinkommt."

Na ja, da wäre schon noch die Sache mit dem Nationalratsmandat. Ob Gaugg als Vizegeneraldirektor der Pensionsversicherung Mandatar bleiben kann, war man sich in der FPÖ gar nicht einig: FPÖ- Klubchef Peter Westenthaler weichte sein Nein zum vagen Vielleicht doch auf, Gaugg hoffte auf Ja, Jörg Haider half ihm, Sozialminister Herbert Haupt auch. Nach Tagen der widersprüchlichen Botschaften, garniert von "Packelei"- Vorwürfen der Opposition, reichte es FPÖ-Chefin Susanne Riess-Passer: Gaugg werde seinen Vertrag aushandeln, dann sein Mandat zurücklegen, so sei es ausgemacht.

Daran will sich Gaugg nicht wirklich erinnern. Was er zur Festlegung der Parteichefin sage? - "Das gilt. Und nichts anderes gilt." Ob das bedeute, dass er sein Mandat zurücklegen werde? - "Ich äußere mich so lange nicht, solange nicht der Vertrag, wie er mir zugesagt wurde, am Tisch liegt." Wie viel ihm denn an Gehalt zugesagt wurde, ob es nun 5000 oder 8000 Euro oder mehr sind, auf diese Frage kann Gaugg nur wütend knurren: "Ich bin ja voll stolz, dass ich die einzige Person in Österreich bin, über deren Einkommen tagelang geschrieben wird. Ich kann nur eines versichern - ich werde der günstigste leitende Angestellte der Pensionsversicherung sein."

Immerhin: Die Zeit, in der Gaugg aus Ärger über manche Parteifreunde damit spekulierte, seinen Job in der Pensionsversicherung zurückzulegen, um im Parlament bleiben zu können, scheint vorbei. Mittlerweile beginnt er, sich mit der neuen Aufgabe anzufreunden: "Dass die Versicherten einen Vorteil haben, dass die Pensionsanstalten zusammengelegt werden, das ist mein oberstes Ziel. Da gibt es viel zu tun, und das werde ich mit Begeisterung machen." Und nur das? - "Lassen S' mir mein Recht, auch einmal nichts zu sagen."
(DER STANDARD, Printausgabe, 8.6.2002)

Von Eva Linsinger
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