Vor Einigung über Herzl-Gedenktafel in Salzburg

7. Juni 2002, 16:37
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Kultusgemeinde wünscht sich Ergänzung des Zitats - Muzicant-Brief an Bürgermeister Schaden

Salzburg - Rund ein Jahr nach der Anbringung einer Gedenktafel an der Neuen Residenz in Salzburg dürfte nun das darauf befindliche Zitat des Zionismus-Begründers Theodor Herzl vervollständigt werden. Der Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde Wien, Ariel Muzicant, ersuchte nun namens des Bundesverbandes der Israelitischen Kultusgemeinden in Österreich Salzburgs Bürgermeister Heinz Schaden (S), das Zitat zu ergänzen. Nach einer Intervention von Bundespräsident Thomas Klestil hatte Schaden dies versprochen, wenn es die Kultusgemeinde wünsche.

"Ich meine, dass es eigentlich nicht der Wunsch der Israelitischen Kultusgemeinde sein sollte, sondern dass dies vielmehr der Wunsch aller Österreicher sein müsste, unsere gemeinsame Geschichte aufzuarbeiten. Ich habe mich bisher aus dieser Diskussion herausgehalten, aus eben diesem Grund. Wenn aber die Stadt Salzburg unsere Meinung hören will, so tue ich diese eben kund", so Muzicant.

"Schwere Sachbeschädigung"

"Sinnvoll wäre, nicht einfach nur den Text richtig zu stellen, indem man ihn ergänzt, sondern vielmehr die Gelegenheit beim Schopfe zu packen, um darzustellen, dass das heutige Österreich, die heutige Verwaltung der Stadt Salzburg, eine ganz andere geworden ist, die kein Problem hat, sich mit der traurigen und zum Teil auch entsetzlichen Geschichte unseres Landes auseinanderzusetzen. Diese heutige Stadt Salzburg und ihre politischen Vertreter sollten eben kein Problem haben, das richtige Zitat zu verwenden, und gleichzeitig darauf hinzuweisen, dass Herzl heute (hoffentlich) auch in Salzburg hätte Richter werden können", heißt es im Schreiben Muzicants an Schaden.

Wie berichtet, hat die Stadt im Vorjahr eine Gedenktafel an der Neuen Residenz angebracht, auf der ein Teil eines Zitates aus dem Tagebuch Herzls geschrieben wurde: "In Salzburg brachte ich einige der glücklichsten Stunden meines Lebens zu. Dr. Theodor HERZL 1860 - 1904", heißt das Zitat auf der Tafel. Der zweite Teil des Satzes lautet: "Ich wäre auch gerne in dieser schönen Stadt geblieben, aber als Jude wäre ich nie zur Stellung eines Richters befördert worden." Der Münchner Künstler Wolfram Kastner hatte diesen Teil im vorigen August mit Studierenden der Sommerakademie handschriftlich ergänzt und sich dadurch ein Strafverfahren wegen schwerer Sachbeschädigung eingehandelt.

Am Donnerstag, hat sich auch der Kulturausschuss des Salzburger Gemeinderates für die Ergänzung des Zitates ausgesprochen, wenn die Kultursgemeinde dies wünsche.

Schaden ausdrücklich für Ergänzung

Ausdrücklich für die Ergänzung des Herzl-Zitats auf der Gedenktafel der Neuen Residenz in Salzbug hat sich Salzburgs Bürgermeister Heinz Schaden (S) jetzt in einem Antwortschreiben an den Präsidenten der Israelitischen Kultusgemeinde (IKG) Wien, Ariel Muzicant, ausgesprochen. Wie berichtet, hat Muzicant den Bürgermeister um die Ergänzung ersucht.

Schaden wiederum bat nun Muzicant, er möge nun auf die Kultusgemeinde in Salzburg einwirken, dass auch sie der Zitat-Ergänzung zustimme. Denn schließlich sei der Text der Gedenktafel im Vorjahr in Absprache mit der Israelitischen Gemeinde in Salzburg zustande gekommen. Deshalb sei auch vor einer Ergänzung die Zustimmung der Salzburger Gemeinde einzuholen.

"Ich wünsche ausdrücklich eine Ergänzung des Herzl-Zitats, da die Diskussion um die Unvollständigkeit die ursprüngliche Absicht der Stadt Salzburg, endlich an den Aufenthalt der historischen Persönlichkeit Theodor Herzl in der Stadt Salzburg zu erinnern, völlig ins Gegenteil gekehrt wurde", schreibt Schaden. (APA)

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    Theodor Herzl

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