Obersteiner: Es wird uns nicht fad

13. Juni 2002, 17:25
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Der Vorstand der Wiener Börse im Interview zum Thema ETF-Markt und das Immobilienfondsgesetz

e-fundresearch: Dr. Obersteiner, Sie sind Vorstand der Wiener Börse. Passive Anlageformen boomen derzeit. Besonders Exchange Traded Funds (ETF) erfreuen sich etwa in Deutschland hoher Beliebtheit. Wie denkt die Wiener Börse darüber bzw. planen Sie die Einführung eines eigenen Segments für ETF´s?

Erich Obersteiner:

e-fundresearch: Sie planen also ein eigenes Segment?

Erich Obersteiner: Wie man das dann genau gestaltet muss man sich noch anschauen. ETF´s sind ja sehr stark ein institutionelles Produkt und nicht nur für Privatanleger, wie etwa Fonds. Deshalb muss man hier sicher etwas maßschneidern: Indexauswahl, Vermarktung, Transparenzerfordernisse der Institutionellen, usw. Die Ansprüche die diese Klientel an ein Marktsegment stellt sind sicher höher und darauf muss man sicher eingehen. Ob das dann aber ein Segment wird muss man sich anschauen. Ein maßgeschneidertes Produkt sollte aber in den bestehenden Produktmix eingebettet werden.

Immobilienfonds: Fine-tuning fehlt noch

e-fundresearch: Wie stehen Sie zum neuen Immobilienfondsgesetz in Österreich?

Erich Obersteiner: (lacht) Es ist sicher wichtig, das man versucht hat die verschiedensten Ansätze, die vom Markt gewählt wurden, zu vereinheitlichen. Wie das meistens bei den ersten Ansätzen ist, gibt es einige sehr gute Punkte und einige weniger gute Punkte. Aus Börsensicht könnte man sicher bei ein paar Dinge noch nachlegen: Die Verwertbarkeit bzw. die Wartezeit bei Immobilienfonds ist viel zu lang. Die Sinnhaftigkeit eines Kapitalmarktes, d.h. die unmittelbare Verwertbarkeit, ist hier nicht mehr gegeben. Ein weiterer Diskussionspunkt ist dann auch noch die Bewertung der Immobilien durch zwei Sachverständige. Hier hätten wir uns einen kapitalmarktüblicheren Ansatz gewünscht, etwa der Einsatz von Analysten. Trotzdem ist es gut das es dieses Gesetz gibt, das Fine-tuning sollte aber noch folgen.

Positiv zu Abfertigung Neu

e-fundresearch: Sind Sie für die Abfertigung Neu vielleicht etwas positiver eingestellt?

Erich Obersteiner: Alles was dazu führt, das wir mehr Nachfrage haben ist positiv. Die etablierten Institutionen, die solche Gelder normalerweise verwalten, streiten sich momentan, ob die aktuelle Konstellation die optimale Vorgehensweise ist. Das ist aber nicht unser Thema. Auf die eine oder andere Weise werden wir aber ein höheres Volumen für die Börse generieren und das sehen wir sehr positiv.

Zweckoptimismus bei der NEWEX

e-fundresearch: Gibt es über das osteuropäische Aktiensegment, die NEWEX, schon bessere Neuigkeiten?

Erich Obersteiner: Die Umsatzentwicklung würde ich als ordentlich ansehen. Im April hatten wir beinahe Euro 1 Mrd. umgesetzt - das ist nicht so schlecht. Es ist aber kein Geheimnis, das wir uns vor 3 Jahren, als wir gemeinsam mit der deutschen Börse angetreten sind, deutlich mehr erwartet haben. Der gesamte Markt hat sich nicht so entwickelt wie viele gehofft haben. Es hat z.B. kaum IPO´s in der Region gegeben, das war aber ein genereller Trend der in der Region einfach noch stärker durchgeschlagen hat. Wir sind aber nach wie vor daran interessiert diese Region gemeinsam mit den Deutschen zu entwickeln aber man muss Realist bleiben. Generell sind wir aber ganz glücklich so wie das läuft. Auf einer niedrigen Kostenebene wollen wir am Thema dranbleiben um eine etwaige dynamischere Entwicklung nicht zu verschlafen. Viele internationale Investmentbanken vor Ort haben sich etwa zurückgezogen – wir wollen das nicht.

„Es wird uns sicher nicht fad“

e-fundresearch: In Ihrem heutigen Vortrag an der Fachhochschule für „Bank- und Finanzwirtschaft“ reden Sie über die Trends und Zukunftsaussichten der Wiener Börse. Könnten Sie diese für uns kurz zusammenfassen?

Erich Obersteiner: Die Erfolgsfaktoren einer Börse sind: System & IT, die Organisation des Marktes und das Marketing. Im ersten Bereich haben wir das Beste was man haben kann: XETRA und das OM-System für Derivate ist hier führend. Beim zweiten Punkt haben wir mit der Schaffung des Prime Market im heurigen Jänner einen wirklich großen Sprung nach vorne gemacht – etwa in Punkto Transparenz, Handelbarkeit der Stücke oder Visibilität. Beim dritten Punkt setzen wir dieses Jahr einen Schwerpunkt: Wir wollen es durch Vermarktung und gemeinsam mit dem Dr. Schenz als Regierungsbeauftragter für den Kapitalmarkt schaffen, mehr Bewusstsein für den Kapitalmarkt und dessen Möglichkeiten schaffen. Ohne den Zugang zu Finanzierungsquellen über den Kapitalmarkt, also in Form von Eigenkapital (Aktien) oder Fremdkapital (Corporate Bonds). Es wird uns dieses Jahr sicher nicht fad. Nach einer Nachholphase in den letzten 3 Jahren (technische und rechtliche Rahmenbedingungen) muss man nun nach außen tragen, das wir mittlerweile etwas haben das durchaus konkurrenzfähig ist.

e-fundresearch: Vielen Dank für das Gespräch!

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