Rektorenteam der Musikuniversität Wien inauguriert

7. Juni 2002, 18:42
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Hasitschka, Hofstötter und Klos in Amt und Würden - Kritik am neuen Universitätsgesetz

Wien - Mit "Traditionsbrüchen" wurde am Freitag das neue Rektorenteam der Musikuniversität Wien inauguriert: Statt Ansprachen gab es nur "einige Worte" des neuen Rektors Werner Hasitschka und seines Vorgängers Erwin Ortner. Und statt der üblichen Streicherklänge sorgte überwiegend Big Band-Sound für Stimmung bei der feierlichen Inauguration Hasitschkas und seiner beiden Vizerektoren Rudolf Hofstötter und Wolfgang Klos.

Getreu dem neuen Leitbild der Musikuni Wien, das sie als "Zukunftsuniversität aus Tradition" ausweist, will Hasitschka versuchen, eine "kreative Balance zu halten zwischen der Pflege der weltbekannten Wiener Tradition und einem Experimentierfeld für neue künstlerische und wissenschaftliche Ausdrucksformen", wie er vor der Feier erklärte. In Zeiten von Neoliberalismus und Globalisierungstendenzen wolle die Musikuni ein "kunst- und kulturpolitisch relevanter Ort für die Reflexion von Kritik und Utopie" sein.

Veränderungen

Konkret will der neue Rektor rasch die neuen Berufsfelder der Musikuni-Absolventen herausarbeiten und die Studienpläne entsprechend adaptieren. Es gehe darum, die Absolventen möglichst gut und flexibel zu positionieren. Hasitschka plant weiters ein Zentrum für Kunst und Kulturpolitik an der Musikuni. "Wir haben eine unglaubliche Menge an vereinzelten wissenschaftlichen und kulturpolitischen Themen und wollen diese in dem Zentrum vernetzen und stärker in die Öffentlichkeit bringen." Budgetmäßig will Hasitschka darauf schauen, dass es "ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Traditionspflege und Innovationen" gibt.

Dass der Musikuniversität Wien kein Künstler, sondern ein Ökonom vorsteht, sieht der promovierte Sozial- und Wirtschaftswissenschafter als Chance. "Jemand mit Äquidistanz zu allen Bereichen des Hauses hat größere Chancen auf Akzeptanz und Durchsetzbarkeit", sagte Hasitschka, der seit 1991 Ordinarius für Kulturbetriebslehre an der Musikuni ist. Seine ersten 99 Tage im Amt seien "erfreulich konstruktiv, freundschaftlich und kooperativ" gewesen.

"Autonomie"

Dem geplanten neuen Universitätsgesetz stehe er und sein Haus "sehr skeptisch" gegenüber. Die geforderte Autonomie sei keine, weil derzeit die Uni vom Ministerium abhängig sei, künftig aber vom Ministerium und dem Universitätsrat. Große Probleme bereite auch der geplante Rückbau der Mitbestimmung. Sorgen bereiten Hasitschka auch die Folgekosten der Reform. "Wir befürchten, dass diese nicht vollständig abgedeckt werden und wir bestehende Angebote oder Bereiche reduzieren oder auf Null stellen müssen." Dennoch ist der Chef der 3.500 Studenten zählenden Uni - davon mehr als 40 Prozent ausländische Studierende - optimistisch: "Wir habe weltweit eine so gute Reputation, dass wir - egal wie die gesetzlichen Rahmenbedingungen sind - einiges durchstehen können."

Hasitschka wurde am 21. Mai 1953 in Wien geboren, absolvierte die Wirtschaftsuniversität (WU) Wien und zudem eine Ausbildung zum Kommunikationstrainer. Von 1977 bis 1991 war er Universitätsassistent und -dozent an der WU. 1991 wurde Hasitschka zum Ordinarius für Kulturbetriebslehre an der damaligen Hochschule für Musik und darstellende Kunst Wien ernannt und zum Instituts- und Lehrgangsleiter des Institutes für Kulturmanagement bestellt. In dieser Funktion war er auch Mitglied des obersten Kollegialorgans der Hochschule. 1999 wurde er an der nunmehrigen Universität für Musik und darstellende Kunst Wien zum Vorsitzenden des Universitätskollegiums (UK) gewählt, im Juni 2001 zum Rektor nach neuem Kunstuniversitätsorganisationsgesetz (KUOG). (APA)

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