Grüne wollen Habilitierte den Professoren gleichstellen

7. Juni 2002, 15:14
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Van der Bellen: Professor muss kein guter Manager sein

Wien - Die Grünen wollen alle Habilitierten an den Universitäten den ordentlichen Professoren gleichstellen. "Die Universität lebt von der Mitarbeit und dem Engagement der dort Tätigen, egal in welcher Kurie sie vertreten sind", betonte der Grüne Bundessprecher Alexander Van der Bellen am Freitag bei einer Pressekonferenz anlässlich einer Enquete des Grünen Klubs zum neuen Universitätsgesetz (UG). Trotz einiger Verbesserungen gegenüber früheren Entwürfen hätten die Grünen weiter schwerwiegende Bedenken gegen die Regierungsvorlage zum UG, so Van der Bellen.

Im UG ist eine Unterscheidung zwischen ordentlichen Professoren und "anderen Universitätslehrern mit Lehrbefugnis" (bisher außerordentliche Professoren und Dozenten) vorgesehen. Das Gesetz konzentriere aber alle Entscheidungen bei den ordentlichen Professoren, kritisierte der Grünen-Chef. "Ein guter Forscher muss kein guter Lehrer sein, und eine gute Lehrerin keine gute Forscherin. Aber schon gar nicht muss ein ordentlicher Professor ein guter Manager sein", so Van der Bellen. Eine Änderung in diesem Punkt hält er allerdings für unwahrscheinlich. In den wesentlichen Fragen wie der Stellung des Mittelbaus und bei der Habilitierung sei kein Einlenken der Regierung zu erwarten. Details wie jene Regelung, nach der die Mitglieder des Uni-Rats ihre Vergütung selbst festlegen, würden aber vermutlich modifiziert.

Für "ganz falsch" hält Van der Bellen auch die Schaffung eigener Medizin-Unis. Mit gleichem Recht könnten die Juristen oder Ökonomen und Informatiker für eine Ausgliederung "ihrer" Fakultät aus dem Universitätsverband eintreten. "Diese Dynamik will ich nicht haben", so Van der Bellen, da dadurch eine Entwicklung eingeleitet würde, mit der "die klassische Universität zu Grabe getragen wird".

Der Grüne Wissenschaftssprecher Kurt Grünewald räumte wie Van der Bellen ein, dass die Regierungsvorlage einige begrüßenswerte Verbesserungen enthalte. Eine Zustimmung der Grünen zum UG, nur weil Schlimmeres verhindert worden sei, käme aber nicht in Frage. Mit der Bestellung von zwei Mitgliedern des Uni-Rats durch die Regierung hätte sich auch die FPÖ die Mitbestimmung an den Unis gesichert, kritisierte Grünewald: "Wissenschaft und Lehre sind frei, aber nicht freiheitlich."

Grünewald ortete eine Fehlannahme der Regierung: "Man kann nicht an einigen Strukturrädchen drehen, und schon kommen unten Nobelpreisträger und Weltklasse heraus." Die Unis könnten auch nicht wie ORF, Krankenkassen oder Pensionsversicherungsanstalten behandelt werden. Den Widerstand der Grünen gegen Medizin-Unis begründete Grünewald mit der schwierigeren Kooperation von eigenständigen Unis in Zeiten des Wettbewerbs und der Ressourcenverknappung - jede Uni verliere "Leistungspunkte", wenn ein Student seine Diplomarbeit an einer anderen Hochschule schreibe. Außerdem würden von einigen Medizinern "Geldflüsse umgesetzt, die ich ganz gerne von Nicht-Medizinern kontrolliert hätte".

Gegen den Beschluss des UG sprach sich auch der UniversitätslehrerInnentag der Bundeskonferenz des wissenschaftlichen und künstlerischen Personals aus.(APA)

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