Versteigerung von Giacometti-Werken soll verhindert werden

7. Juni 2002, 14:48
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Vereins Alberto und Annette Giacometti kritisiert mögliche "Ausblutung von Werk und Vermögen"

Paris - Die Versteigerung von 38 Werken des Bündner Künstlers Alberto Giacometti im September in Paris stößt auf den Widerstand des Vereins Alberto und Annette Giacometti. Der Verein wehrt sich gegen "diese Ausblutung von Werk und Vermögen". Die Association erinnert in einer Pressemitteilung daran, dass sie nun seit 14 Jahren erfolglos die Gründung einer Stiftung zu initiieren versucht. Ein Nachlass im Wert von 122 Millionen Euro und kontroverse Interessen sind im Spiel.

Der Verein

1988 unternahm die kinderlose Witwe des Bildhauers, Annette Giacometti, erste Schritte zur Gründung einer Alberto und Annette Giacometti-Stiftung. Ein Jahr später schuf sie den gleichnamigen Verein. Seine Funktion: Er sollte die Werksammlung zusammenhalten bis die Stiftung gegründet wäre und Giacomettis bildnerischen Nachlass beherbergen könnte.

Annette Giacometti starb 1993. Etwas später beauftragte ihr Testamentsvollstrecker Roland Dumas den Auktionator Jacques Tajan, 14 Skulpturen und vier Bilder zu veräußern, um die Folgekosten - beispielsweise für Versicherungen, Lagerräume und Verwaltungsgebühren - zu decken. Der Verkauf erbrachte 6,5 Millionen Euro. Zusammen mit Annette Giacomettis persönlichem Nachlass verfügten die Nachlassverwalter über 7,6 Millionen Euro.

Verzögerungen

Seitens der französischen Behörden verschleppte sich die Sache, da die aufeinander folgenden Kulturminister teils für, teils gegen eine Stiftung waren. Zwei Lager stehen sich gegenüber. Auf der einen Seite die Befürworter der Stiftung, für die das Testament außer Debatte steht. Auf der anderen Seite die Brüder von Annette Giacometti, die sich für die wahren Erben halten. Letztere werden von Museen unterstützt, die sich Hoffnung auf Ausstellungsstücke machen.

Im Juli 1999, nachdem die Kontroverse um den Verkauf von 1994 wieder aufgelodert war, ernannte Testamentsvollstrecker Roland Dumas Helene Da Camara zur Nachlassverwalterin. Diese versprach, sich um die Sache zu kümmern. Drei Jahre gingen ins Land, ohne dass etwas passierte. Dann kündigte am Freitag letzter Woche Christie's France den Verkauf von 38 Skulpturen am 28. September in Paris an. Der Verein horchte auf.

"Die Versteigerung könnte 6 Millionen Euro bringen. Das lässt vermuten, dass die 7,6 Millionen von 1994 aufgebraucht sind", argwöhnen die Stiftungbefürworter. Doch nicht nur dieses Geld, sondern auch die verkauften Werke gehen dem zukünftigen Stiftungvermögen ab. (APA)

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