Mobilkom-Börsegang nicht vor 2004

7. Juni 2002, 14:39
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TA sucht noch keinen neuen Partner - Privatisierung dürfte sich verzögern

Wien - Nach dem am Donnerstagabend eingeleiteten Rückzug der Telecom Italia (TI) aus Österreich sucht die Telekom Austria (TA) vorerst keinen neuen Partner. "Sowohl TA als Mobilkom brauchen kurz- oder mittelfristig keinen neuen Partner", sagte TA-Vorstandschef Heinz Sundt am Freitag vor Journalisten. Auch Peter Michaelis, Vorstand des TA-Haupteigentümers ÖIAG, betonte, dass eine strategische Partnerschaft angesichts der "desaströsen Entwicklung am internationalen Telekommarkt" derzeit fast ausgeschlossen sei.

Die ÖIAG sei zwar verpflichtet, sämtliche Privatisierungsmöglichkeiten im Auge zu behalten. Gleichzeitig habe die Staatsholding in Erfüllung ihres Privatisierungsauftrags aber "im Interesse der Bevölkerung den bestmöglichen Erlös unter Berücksichtigung der Interessen der Unternehmen und der Wahrung österreichischer Interessen zu erzielen", zitierte Michaelis den Auftrag.

Privatisierung dürfte sich verzögern

"Daher könnte der Privatisierungsauftrag in dieser Legislaturperiode nicht mehr vollständig erfüllt werden", so der Vorstand der Staatsholding weiter. Die "Plattform für eine weitere Privatisierung der TA sei aber mit dem nunmehr vereinbarten Rückzug der Italiener wesentlich verbessert worden.

Laut einem Übereinkommen kann die TI zudem aus ihrem derzeit 29,8 Prozent starken TA-Anteil noch in der zweiten Jahreshälfte 2002 bereits bis zu 15 Prozent des TA-Grundkapitals an die Börse bringen. 2003 können die Italiener auch den Rest ihrer TA-Anteile am Kapitalmarkt verkaufen. Auch die ÖIAG kann im nächsten Jahr bis zu 5 Prozent über die Börse verkaufen. Die TA hofft damit auf eine merkliche Erhöhung des Streubesitzes.

Mitspracherechte der Italiener eingeschränkt

Gleichzeitig werden die Mitspracherechte der Italiener mit diesem Übereinkommen bereits deutlich eingeschränkt. Sobald der Anteil der TI um mehr als 10 Prozent sinkt - spätestens aber am 30. April 2003 - erlischt der Syndikatsvertrag zwischen ÖIAG und TA komplett. Die bestehenden Kooperationen werden sofort beendet.

"Mit den festgesetzten Terminen wollen wir den Italienern einen gewissen Anreiz geben, rasch von ihren Möglichkeiten zum Ausstieg aus der TA Gebrauch zu machen. Sonst würden sie nur noch die Anteile ohne die entsprechenden Rechte besitzen", sagte Michaelis. TA-Chef Sundt sieht nach dem Rückzug der Italiener "höhere Flexibilität und eine Vereinfachung der Entscheidungsprozesse" in der TA.

Turnaround nach vorne verlegen

Der Rückkauf der "Cashcow" Mobilkom soll laut Sundt außerdem den angepeilten Turnaround nach vorne verlegen. Konkreten Zeitpunkt nannte Sundt nicht. Im vergangenen Jahr hatte die TA AG noch einen Jahresfehlbetrag von 104,6 Mill. Euro hinnehmen müsen.

Mobilkom-Börsegang nicht vor 2004

Nach Ansicht von TA-Generaldirektor Heinz Sundt die Spekulationen über die Zukunft der Mobilkom zumindest "vorläufig beendet". Ein Börsegang der Mobilkom Austria steht nach dem Rückkauf sämtlicher Anteile durch die Telekom Austria (TA) nicht bevor. Die TA habe mit der Telecom Italia (TI) vertraglich fixiert, von einem Börsegang der Mobilkom bis 31. 12. 2003 abzusehen, außer der Anteil der TI sinkt unter 5 Prozent.

Die Italiener hätten befürchtet, dass ein Börsegang der Mobilkom ihre Verkaufsabsichten für ihre TA-Anteile negativ beeinflussen könnte. Dem habe man Rechnung getragen, so Sundt.

(APA)

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