WU Wien startet im Herbst mit reformiertem Studienangebot

7. Juni 2002, 13:17
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Zwei neue Studienrichtungen - Einheitliche, verschulte Eingangsphase für alle Studenten

Wien - Die Wirtschaftsuniversität (WU) Wien startet in das neue Studienjahr 2002/03 mit einem völlig reformierten Studienangebot. Die Studenten können zwei völlig neue Studienrichtungen - "Wirtschaftswissenschaften" und das Bakkalaureatstudium "Wirtschaftsinformatik" - wählen, die bereits bestehenden vier Studienrichtungen wurden "modernisiert, entrümpelt und an europäische Standards angepasst", wie WU-Rektor Christoph Badelt am Freitag bei einer Pressekonferenz in Wien erklärte. Neu ist eine zweisemestrige, für alle Studenten einheitliche, stark verschulte Eingangsphase.

Die bestehenden Studienrichtungen "Betriebswirtschaft", "Volkswirtschaft" und "Wirtschaftspädagogik" wurden neu ausgerichtet, die "Handelswissenschaft" in "Internationale Betriebswirtschaft" weiterentwickelt. Für alle sechs Studienrichtungen wird es künftig eine gemeinsame zweisemestrige Einführungsphase geben. "Wir wollen die Studenten dabei an der Hand nehmen", erklärte der Vorsitzende des Universitätskollegiums, Michael Holoubek. In diesen zwei Semestern sollen sich die rund 2.500 Studienanfänger pro Jahr entscheiden, ob die WU das richtige für sie ist und wenn ja, welches WU-Studium.

Den Jungstudenten sollen dabei alle Schwierigkeiten aus dem Weg geräumt und etwa kollisionsfreie Stundenpläne angeboten werden. Außerdem wird das erste Jahr in vier Halbsemester mit jeweils fünf Prüfungen unterteilt, damit es nicht am Semesterende zu einer Kumulierung von Prüfungen kommt. "Es geht dabei um Orientierung und nicht um das Hinausprüfen. Wer nach zwei Semestern bei uns bleibt, den wollen wir bis zum Abschluss führen", sagte WU-Studiendekan Karl Sandner, der ab dem dritten Semester eine "Null-Durchfallquote bei Prüfungen" anstrebt.

Die Einführungsphase sei die "Antwort der WU auf die Herausforderungen des universitären Massenbetriebs", so Holoubek. Außerdem wolle man damit auf die Tatsache reagieren, dass in den ersten zwei Jahren 38 Prozent der Studenten weniger als vier Prüfungen machen und die erste Diplomprüfung von fast jedem zweiten Studierenden nicht erreicht wird. Angestrebt sei, die Drop-out-Quote an der WU von derzeit 45 Prozent zu senken, "noch wichtiger ist es aber, sie nach vorne zu verlegen", sagte Badelt.

Im ersten Jahr werden noch Großlehrveranstaltungen abgehalten, die allerdings starke Computerunterstützung erhalten. So ist der Lehrinhalt aller 17 Fächer des ersten Jahres über Internet zugänglich. Ab dem dritten Semester soll es dann universitären Unterricht in Kleingruppen mit einer angepeilten Größe von 30 Personen geben. Dieser sei aber nicht mehr verschult und biete die Auswahl aus 62 Wahlfächern und zehn Kompetenzfeldern.

Die WU-Führung erhofft sich von diesen Maßnahmen eine "drastische Senkung der derzeit inakzeptablen durchschnittlichen Studiendauer von 14,8 Semester". Für bereits an der WU inskribierte Studierende soll es Anreize geben, auf das neue System umzusteigen.

Obwohl europaweit der Zug Richtung dreistufiges Studiensystem fährt, startet die WU nur mit einem Bakkalaureat-Studium und lässt die übrigen Studienrichtungen noch im alten zweistufigen System. Badelt begründet dies damit, dass man es für klüger hielt, vor einem Totalumstieg erst ein paar Jahre diese neuen Studienordnungen zu erproben. Inhaltlich würde man sich aber dann bei einem Wechsel zu Bakkalaureatstudien viel leichter tun.(APA)

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