Zufallsfund könnte Prognose bei Brustkrebs verbessern

17. Juni 2002, 09:30
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Medikament Capecitabin stört das Wachstum des Tumors nachhaltig

Bochum - Ein Zufallsfund könnte in absehbarer Zeit die Chancen für Frauen mit besonders aggressivem Brustkrebs deutlich verbessern.

Wie die Ruhr-Universität Bochum berichtete, hat eine neue Therapie mit zwei bisher in dieser Kombination nicht verwendeten Medikamenten bei schon als aussichtslos eingestuften Patientinnen das Wachstum der Tumore gestoppt und teilweise sogar zurückgebildet.

Die Wissenschafter um den Bochumer Professor Gerhard Schaller wurden nach Darstellung der Ruhr-Uni auf die neue Behandlungsmethode durch eine Patientin gebracht. Sie hatte auf ein bestimmtes Medikament aus den USA nicht verzichten wollen, obwohl bei ihr ein besonders aggressiver Brustkrebs festgesellt wurde, bei dem diese Behandlung bisher als nicht anwendbar galt.

Bei bestimmten aggressiven Brustkrebsformen tritt ein Wachstumsrezeptor mit der Bezeichnung HER 2 im Tumorgewebe auf. Das ist nach Angaben der Forscher bei 25 bis 30 Prozent aller Brustkrebspatientinnen der Fall. Gegen diesen Wachstumsrezeptor kann die Impfung mit dem Antikörper-Wirkstoff Herceptin helfen.

Medikament wirkt nur in Tumorzellen

Die Bochumer Patientin habe hartnäckig darauf bestanden, zugleich auch noch ein Medikament namens Capecitabin einzunehmen, da sie den Eindruck gehabt habe, es verlangsame das Tumorwachstum. Da keine andere Therapie mehr geholfen und sich ihr Allgemeinzustand verschlechtert habe, hätten die Ärzte ihr den Wunsch nicht abgeschlagen. Die Wirkungsweise von Capecitabin ist nach Darstellung der Klinik eine ganz andere als die üblicher Chemotherapeutika. Es wird als Tablette eingenommen und verteilt sich im ganzen Körper. Allerdings bleibt das Mittel in normalen Zellen wirkungslos, hat damit auch nicht die Giftwirkung normaler Chemotherapie mit ihren Nebeneffekten wir Übelkeit und Haarausfall. Vielmehr wirkt das Medikament nur in Tumorzellen, in denen dort typischerweise vorhandene Enzyme es in ein Zellgift umwandeln.

Jede zweite Frau habe positiv auf die Therapie reagiert

Wider Erwarten sei es der Patientin bald besser gegangen, berichtete die Ruhr-Universität. Metastasen des Brustkrebses in der Leber seien nach drei Monaten fast vollständig verschwunden gewesen. Die Ärzte hätten dann begonnen, weitere Patientinnen in aussichtsloser Situation mit der Medikamentenkombination zu behandeln. Jede zweite Frau habe positiv auf diese Therapie reagiert.

Capecitabin stört das Wachstum des Tumors nachhaltig Die Ärzte standen nach Angaben der Klinik vor einem Rätsel. Die Lösung brachten Experimente aus Boston: Der Trick liege darin, dass bei herkömmlicher Chemotherapie für kurze Zeit hoch dosierte Gifte verabreicht würden, um möglichst viele Tumorzellen zu töten. In der dann für den Patienten nötigen längeren Erholungsphase hätten die Tumore aber offenbar ebenfalls Zeit zur Regeneration. Dagegen lasse Capecitabin eine ständige Anwendung zu, da es nur in Tumorzellen wirke. Dort störe es das Wachstum der zur Versorgung des wachsenden Tumors notwendigen Blutgefäße nachhaltig. Die Forscher vom Klinikum der Ruhr-Universität wollen die neue Methode nun in einer so genannten Phase-II-Studie an weiteren schwerstkranken Frauen erproben. Es seien noch viele Fragen offen, zum Beispiel die optimale Dosierung oder der günstigste Behandlungsbeginn. Die Ärzte hoffen aber nach den bisherigen Erfahrungen, dass künftig mehr Brustkrebs-Patentinnen auch mit aggressiven Tumoren bei guter Lebensqualität überleben können. (APA/AP)

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