Krebs: Forscher setzen auf natürlichen Knochenersatz

10. Juni 2002, 09:30
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Abbaubares Implantat lässt eigenes Gewebe wachsen

Würzburg - Verliert ein Patient bei einem Unfall oder als Folge einer Krebserkrankung ein Stück Knochen, hilft manchmal nur noch ein Implantat. Ein herkömmliches Ersatzstück aus Metall hat jedoch einen doppelten Nachteil: Der Körper betrachtet es als Fremdkörper, und bei Kindern wächst es nicht mit. Wissenschafter unter anderem der Universität Würzburg entwickeln deshalb jetzt Ersatzknochen, die sich selbst abbauen, während gleichzeitig eigenes Gewebe wächst. Die Idee: Der Kunstknochen ist so porös, dass sich körpereigene Knochenzellen auf ihm ansiedeln können. Einige Bestandteile des Implantats wie Kalziumphosphat können die Zellen sogar selbst für ihr Wachstum verwerten. Das entsprechende Material hat vor kurzem die Universität Bochum entwickelt.

Zerfallsgeschwindigkeit des Kunstknochens

Die Schwierigkeit, an der die Forscher im Moment arbeiten, ist die richtige Zerfallsgeschwindigkeit des Kunstknochens. An Stellen, auf die keine großen Kräfte einwirken, werden die neuen Implantate schon eingesetzt, etwa im Gesicht. Das Ziel ist letztlich, für alle menschlichen Knochen passende Ersatzstücke zu entwickeln, auch für solche, die Tag für Tag stark belastet werden. "Hier müssen die Schwächung des Implantats und die Stärkung des natürlichen Gewebes exakt Hand in Hand gehen", sagt Professor Roger Thull von der Universität Würzburg.

Ersatz ist schwächwer

Das Nahziel ist laut Thull jedoch, den Kunstknochen so zu präparieren, dass sich nur Knochenzellen auf ihm ansiedeln. Derzeit können an künstliche Knochen vom Binde- bis zum Muskelgewebe alle möglichen Gewebesorten anwachsen, was zur Folge hat, dass der Ersatz nicht so stark ist wie ein Knochen. Die Forscher wollen sie mit Hilfe spezifischer Haftproteine austricksen, die sie auf der Oberfläche des Implantats anbringen. Die Proteine verbinden sich mit den Knochenzellen wesentlich schneller als mit anderem Gewebe. Die Forschung besteht nun darin, die Proteine auf der Kunststoffoberfläche anzuheften und dabei ihre Fähigkeiten zu erhalten. (APA/AP)

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