"Noch ist nichts entschieden"

7. Juni 2002, 12:20
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Frankreichs Sozialistenchef Hollande glaubt noch an Wahlsieg der Linken

Paris - "Ein Sieg der Linken ist noch möglich." Unter diesem Motto stand am Donnerstagabend in Villeurbanne bei Lyon die letzte Wahlkampfveranstaltung der Sozialisten (PS) vor dem ersten Durchgang der französischen Parlamentswahlen am kommenden Sonntag. "Auf der Grundlage der Umfragen tut die Rechte so, als hätte sie bereits gewonnen. 1997 hatte sie dieselbe Haltung, sie dachte nicht an eine Niederlage, und dennoch...", hämmerte PS-Chef Francois Hollande seinen Sympathisanten ein. Vor fünf Jahren hatte die "pluralistische Linke" aus Sozialisten, Radikalsozialisten, Kommunisten, Grünen und der "Bürgerbewegung" des Linksrepublikaners Jean-Pierre Chevenement überraschend den Wahlsieg davongetragen.

"Noch ist nichts entschieden, unser Volk liebt es nicht, wenn man alles als bereits gewonnen erachtet, bevor es sich überhaupt geäußert hat", fuhr der sozialistische Parteichef fort und rief die Wähler dazu auf, "unserem Land fünf Jahre Rechtspolitik zu ersparen". Einen besonderen Appell richtete Hollande an die jungen Wähler, die sich zwischen den beiden Durchgängen der Präsidentenwahl sehr stark mobilisiert hatten, um einen Vorstoß des rechtsextremen Kandidaten Jean-Marie Le Pen (Front National/FN) zu verhindern.

Vorwurf der "Demagogie" an Raffarin

Der konservativen Regierung von Premier Jean-Pierre Raffarin warf Hollande vor, "demagogische Methoden" zu verwenden. "Der Premierminister ist ein Mann der Werbung, der alle Argumente der Demagogie verwendet, um zu verführen. Er behauptet, nicht im Wahlkampf zu sein, aber er beteiligt sich stets an öffentlichen Versammlungen", so der PS-Chef. Hollande prangerte überdies die Weigerung des bürgerlich-konservativen Lagers an, sich an einer Wahlkampfdebatte mit linken Parteivertretern zu beteiligen. "Raffarin hätte besser daran getan, mit der linken zu debattieren und seine Absichten zu erklären", betonte der Erste Sekretär der Sozialistischen Partei.

Zuletzt warnte Hollande noch vor der Gefahr eines erneuten Vorstoßes der extremen Rechten. "Man muss die extreme Rechte ausgrenzen, die Linke gegen die Rechte wählen", betonte der Parteichef und erinnerte daran, dass gewisse Kandidaten der konservativen "Union pour la majorite presidentielle" (UMP) Kontakte mit dem Front National geknüpft hätten. Als Beispiel nannte Holande den konservativen Kandidaten von Lyon, Ex-Verteidigungsminister Charles Millon, der gegen den sozialistischen Ex-Minister Jean-Jack Queyranne antritt. Die UMP hat nun keinen Kandidaten gegen Million aufgestellt, obwohl dieser bei den letzten Regionalwahlen ein Abkommen mit der FN geschlossen hatte. Er war daraufhin von der zentrumsbürgerlichen UDF ausgeschlossen worden. "Die Franzosen, die am 5. Mai gegen den FN gewählt haben, fordern jetzt Klarheit", betonte Hollande in Bezug auf den zweiten Durchgang der Präsidentenwahl, bei dem 82 Prozent für Präsident Jacques Chirac gestimmt haben. (APA)

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    PS-Chef Francois Hollande

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