"VIPs only" - Streit um Malibus Strände

10. Juni 2002, 18:08
7 Postings

Die Millionen-Villen der Hollywoodstars verhindern zunehmend die öffentlichen Zugänge zum Meeresstrand

Malibu - Herrlichster Pazifik-Strand auf 40 Kilometer Länge in einer der schönsten Landschaften Kaliforniens. So präsentiert sich der Prominenten-Ort Malibu seinen Besuchern. Nur kommen nicht alle Touristen und Einheimische in den Genuß des Strandlebens. "Es gibt lange herrliche Strände, aber man kommt nicht an sie ran", meint Steve Hoye von der Bürgerinitiative "Access for All (Zugang für alle)". Er gibt den berühmten Anrainern und der Stadt Malibu die Schuld. Stars aus der Film- und Musikbranche, wie Tom Hanks, Steven Spielberg, Cher, Dustin Hoffman und Barbra Streisand, haben sich hier mit ihren riesigen Anwesen breit gemacht und versperren vielerorts den Zugang zum Meer. Zäune, Gitter und "Betreten verboten"-Schilder als Hindernisse tun das übrige und gestatten kein Durchkommen.

"Egal wie reich und berühmt sie auch sein mögen, der Strand gehört jedermann", wettert Hoye. Rückendeckung erhält der Kalifornier dabei von der staatlichen Küstenkommission, die nach kalifornischem Gesetz alle 300 Meter einen öffentlichen Zugang zum Meer betreiben darf.

In anderen Strandorten wie Santa Barbara oder Laguna Beach, wo sich auch viele Prominente niedergelassen haben, gibt es diese Probleme nicht, die Besucher kommen über öffentliche Wege und Treppen leicht an das begehrte Nass. Nicht so in Malibu, wo die Stadtväter sich nach den Wünschen der prominenten Einwohner richten und die Exklusivität bewahren wollen, wie Hoye meint. Die Pfade zwischen den Hollywood-Villen existieren also nur auf dem Papier.

Anderer Meinung ist natürlich die hier lebende Prominenz. Sie fürchten um ihre Ruhe und haben davor Angst, dass sich neben den Touristen aufdringliche Fans auf den Grundstücken einschleichen. Linda Locklin, Vorsitzende der Küstenkommission, hält dies Ängste allerdings für übertrieben: "Die Promis wollen nur unter sich bleiben und den Strand nicht mit anderen teilen."

So wehrt sich der Studioboss David Geffen mit aller Kraft gegen den Ausbau eines Weges neben seiner Villa. "Mehrere Sitzungen mit Geffens Anwälten hätten noch keine Lösung gebracht", sagt Hoye, "obwohl die Leute beim Bau ihrer Häuser genau Bescheid wussten, dass der Strand nicht zu ihrem Privatgrundstück gehört."

Dank großzügiger Spenden soll es einigen Prominenten bereits gelungen sein, geplante Wege an andere Stellen zu verlegen. Die Sängerin Julie Andrews soll sich 1991 mit einem Scheck im Wert von umgerechnet 360.000 € "freigekauft" haben. Mit dem Geld sollte der Staat anderswo eine Treppe zum Strand bauen, was jedoch nie ausgeführt wurde.

Von anderen Stars, wie Tom Hanks, Pamela Anderson oder Sting, die in einer eingezäunten Villensiedlung leben, werden Strandbesucher durch ein großes Gitter vom Betreten "ihres Strandes" abgehalten. Allerdings können die Verbotsschilder bei Ebbe niemanden vom Strandspaziergang oder Baden abhalten. Denn da ist es möglich, den Zaun zu umgehen, auch ohne, dass man mit dem Gesetz in Konflikt kommt. Nach kalifornischem Gesetz ist der Sandstreifen unterhalb der Gezeitenlinie in öffentlicher Hand. "Die Verbotsschilder seien nur zur Abschreckung angebracht", meint Linda Locklin, "solange man auf dem nassen Sand läuft, ist es wahrscheinlich okay." (APA/red)

Share if you care.