Intel warnt vor sinkendem Wachstumstempo

7. Juni 2002, 11:38
1 Posting

Senkung der Margen-Prognose des weltgrößten Chipherstellers für Analysten noch schwerwiegender als Umsatzwarnung - Fallende Chippreise drücken

Die Analysten von Merrill Lynch hatten es geahnt. Nur ein verhaltener Zwischenbericht der Intel Corp, Santa Clara, zum Geschäftsverlauf des zweiten Quartals sei zu erwarten, und die Titel des weltgrößten Chipherstellers würden deshalb heruntergestuft, hatten die Analysten am Donnerstag gesagt. Und so kam es dann auch.

Kleiner Börsenschock

Mit dem Zwischenbericht unterschritt Intel Donnerstagabend nach Börsenschluss sogar diese pessimistischen Prognosen. Beim Umsatz erwartet Intel im zweiten Quartal nur noch 6,2 Milliarden bis 6,5 Milliarden Dollar (6,62 bis 6,94 Milliarden Euro), nachdem zuvor 6,4 Milliarden bis 7,0 Milliarden Dollar veranschlagt worden waren. Nachbörslich brachen die Intel-Aktien um 10 Prozent auf 24,18 Dollar ein, und in der Folge gaben am Freitag in Europa die Technologie-Titel stark nach.

Prognosen

Merrill Lynch hatte für das zweite Quartal einen Intel-Umsatz von 6,761 Milliarden Dollar in Ansatz gebracht. Schwerer als der geringere Umsatz wog für Marktbeobachter jedoch, dass Intel auch die Prognose für die Bruttomarge reduziert hat. Diese wird nun im zweiten Quartal auf 49 Prozent veranschlagt - "plus oder minus ein paar Punkte" -, statt zuvor prognostizierten 53 Prozent. Damit setzt sich laut Analysten der positive Trend bei der Margenentwicklung nicht fort. Noch im ersten Quartal hatte der Chiphersteller die Märkte positiv mit einer Bruttomarge von 53,6 Prozent überrascht und dabei die eigene Erwartung von 51 Prozent übertroffen.

Nicht eingehalten

Auch für den Rest des Jahres sei eine Bruttomarge von 53 Prozent möglich, hatte Intel damals in Aussicht gestellt. Der Chief Financial Officer, Andy Bryant, sagte am Donnerstag, nach dem positiven Verlauf des ersten Quartals sei Intel wohl "etwas aggressiv" an die Erstellung der Prognosen für das Gesamtjahr gegangen. Den Ausblick für 2002 hat Intel bislang nicht nach unten angepasst. Im zweiten Halbjahr werde mit einer saisonal stärkeren Nachfrage gerechnet, und auch die Prognose für die Bruttomarge blieb zunächst bestehen. Dennoch sei es wahrscheinlich, dass Intel hier noch eine Anpassung nach unten "um ein Prozent oder so" vornehmen werde, sagte Bryant.

Ursachenforschung

Unter Druck gekommen ist die Marge von Intel nach Aussage von Bryant wegen der fallenden Preise für Chips. Im ersten Quartal habe das Unternehmen die starke Nachfrage der Kunden nicht bedienen können, so dass die Preise im Segment der weniger leistungsfähigen Chips relativ hoch gewesen seien. Im zweiten Quartal habe Intel besser auf die Kundennachfragen reagieren können, mit dem Ergebnis, dass auch die Preis gefallen seien. Vor allem in Europa sei die Nachfrage zudem geringer als erwartet gewesen. (APA)

Link

Intel

Share if you care.