Oskar Strohmeyer: General mit Meinung

10. Juni 2002, 20:54
5 Postings

"Roter Ossi" mit starker Vergangenheit

Wien - Oskar Strohmeyer ist Sozialdemokrat. Zwar keiner, der dies vor sich herträgt, aber doch einer, der sich dazu bekennt. Und er war als der "rote Ossi" bekannt. Nicht wegen seiner politischen Einstellung, sondern wegen seiner roten Haare, die er in der Jugendzeit als lange Mähne trug.

Gekuscht hat Strohmeyer nie. Das trug ihm auch eine überlange Schulzeit mit mehreren Stationen quer durch die Steiermark ein. Die Matura hat er dann mit 30 Jahren gemacht, da war er bereits Beamter.

1977, Strohmeyer war 24, kettete er sich im Grazer Dom für mehrere Tage an die Brüstung des Altars, um gegen das Ausreiseverbot eines Freundes aus der DDR zu protestieren. Das internationale Medienecho war gewaltig, Berichte über den jungen, langhaarigen Gendarmensohn, geboren in Fischbach in der Steiermark, gingen um die Welt. Der Freund konnte 1979 aus der DDR ausreisen. Im selben Jahr trat Strohmeyer seinen Dienst bei der Gendarmerie an.

Nach sechs Jahren als einfacher Beamter, vor allem im Kriminaldienst, absolvierte Strohmeyer die Sicherheitsakademie in Mödling und kam schließlich ins Gendarmeriezentralkommando. Dort war er unter anderem für die Einheit verantwortlich, die im Rahmen einer UNO-Mission nach Namibia geschickt wurde. 1991 holte ihn SP-Innenminister Franz Löschnak ins Kabinett.

1995 wurde Strohmeyer mit dem Megaprojekt Grenzgendarmerie betraut. Monatelang klapperte er Außenstellen ab, rekrutierte Personal und organisierte moderene Ausrüstung. Finanzieller Rahmen: 145 Millionen Euro. Strohmeyer hat Österreichs Grenzschutz aufgebaut und somit wesentlich zur Schengen-Reife Österreichs beigetragen. Heute sichern rund 3000 Beamte die 1450 Kilometer lange Grenze zu Nicht-Schengen-Staaten.

Am 1. Jänner 2000 wurde Strohmeyer von Innenminister Karl Schlögl zum Zentralkommandanten der Gendarmerie bestellt und zum General befördert - eine ungewöhnliche Karriere. Eine seiner beiden Töchter ist mittlerweile ebenfalls bei der Gendarmerie. In seiner Antrittsrede vor zwei Jahren sagte er: "Kritik heißt nicht raunzen, heißt nicht nörgeln oder lamentieren. Kritik bedeutet für mich die Bestandsaufnahme eines bestimmten Sachverhaltes aus persönlicher Sicht." (simo, völ/DER STANDARD, Printausgabe, 8./9.6.2002)

Share if you care.