Elf Jahre lang Kinder im Bekanntenkreis missbraucht

7. Juni 2002, 11:15
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45-jähriger Wiener zu viereinhalb Jahren Haft verurteilt

Wien - Ein 45-jähriger Bankangestellter aus Wien missbrauchte elf Jahre lang Kinder aus seinem Bekanntenkreis. Peter Sch. nutzte Babysitting, Ausflüge und Schwimmbadbesuche aus, um die fünf Mädchen und Buben im Volksschulalter unsittlich zu berühren. Heute, Freitag, musste sich der 45-Jährige vor einem Schöffensenat (Richter: Andreas Böhm) wegen Unzucht mit Unmündigen verantworten und wurde zu viereinhalb Jahren verurteilt. Sch. nahm die Strafe an. Das Urteil ist daher rechtskräftig.

Schon in seiner eigenen Jugend merkte Peter Sch., dass es ihn sexuell erregte, wenn er Kinder hoch nahm oder sie auf seinen Schoß setzte. 1986 näherte er sich zum ersten Mal einem elfjährigen Nachbarsbuben und berührte seine Genitalien. Ab diesem Zeitpunkt versuchte er laut Anklageschrift immer wieder mit Kindern allein zu sein. Ab 1990 fand er in der sechsjährigen Halbschwester seiner damaligen Lebensgefährtin sein nächstes Opfer. Danach verging er sich auch an dem Cousin, der Volksschulkollegin oder den Nachbarkindern.

Tagebucheintragungen eines Buben

Dabei nahm Sch. auch die sexuellen Übergriffe auf Video auf. Zudem hatte sich der 45-Jährige aus dem Internet kinder-, gewalt- und tierpornografisches Material heruntergeladen. Neben den Aufnahmen mit seinen "Schützlingen" fanden die Kriminalisten an die 3.400 Stück einschlägiges Material. Aufgeflogen war die Sache, nachdem ein Bub die Übergriffe in seinem Tagebuch aufgezeichnet hatte. "Ich habe immer wieder Geschenke und Geld bekommen, damit ich weiter mitmache", erzählte der heute 18-Jährige vor Gericht. "Ich habe von Peter Sch. sogar ein Handy bekommen, damit ich für ihn immer erreichbar bin", sagte der Bursch.

"Ich bin mir der Entstehung dieser Handlungen nicht bewusst. Das versuche ich jetzt in einer Therapie im Gefängnis herauszubekommen", so Sch. "Die ganze Sache tut mir furchtbar leid. Ich kann mich nur bei meinem Opfern entschuldigen." Der Angeklagte führe seine Taten auf einen "psychischen Defekt" zurück, über den er sich noch nicht ganz im Klaren sei. "Das, was ich getan habe ist durch nichts zu rechtfertigen."

"Alle Straftaten sind grauslich, sexuelle Übergriffe sind noch viel grauslicher. Aber man muss bei all dem Leid auch den Täter betrachten, warum er das macht", sagte Verteidigerin Christine Wolf. "Das ist eine Störung." Richter Böhm sah das ein wenig anders: "Sie haben über elf Jahre lang Kinder wiederholt sexuell missbraucht und einen davon sogar zur Prostitution gebracht mit ihren hohen Geldgeschenken." Als einzig mildernd sah Böhm das Geständnis des Angeklagten. (APA)

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