Geschlechtsneutrale Gesundheitspolitik gibt es nicht

7. Juni 2002, 17:43
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Männer geben in fast allen Befragungen weniger Beschwerden als Frauen an und leiden dennoch häufiger an somatischen Erkrankungen

Linz - Die Fragen, inwiefern Frauen- und Männergesundheitsförderung für eine verbesserte gesundheitliche Versorgung steht und auf welche Weise diese Ansätze auch in die Praxis umgesetzt werden können, standen im Mittelpunkt der 4. Gesundheitsförderungskonferenz des Fonds Gesundes Österreich in Linz.

Der Gesundheitsstatus von Männern und Frauen, das zeigt die Statistik, weist deutliche Unterschiede auf. Männer in den westlichen Industrienationen leben durchschnittlich sechs Jahre kürzer als Frauen.

Es gibt keine geschlechtsneutrale Gesundheitspolitik

Univ.-Prof. Dr. Reinhart Waneck, Staatssekretär für Gesundheit und Präsident des Fonds Gesundes Österreich: "Allen Bestrebungen des Gender Mainstreaming liegt die Erkenntnis zu Grunde, dass es keine geschlechtsneutrale Gesundheitspolitik gibt. Institutionen, Gesetze und Maßnahmen müssen sowohl den Belangen von Frauen als auch von Männern gerecht werden, darüber hinaus sind auch noch die speziellen Anliegen in den einzelnen Lebensabschnitten geeignet zu berücksichtigen."

Männer sterben häufiger an somatischen Erkrankungen

Männer sterben häufiger an somatischen Erkrankungen wie Herzinfarkt oder Krebserkrankungen der Atemwege als Frauen. Thomas Altgeld, Geschäftsführer des Landesvereines für Gesundheit in Hannover bei der Linzer Konferenz des Fonds Gesundes Österreich: "Die subjektive Wahrnehmung der Männer scheint den epidemiologischen Befunden allerdings zu widersprechen. Männer geben in fast allen Befragungen weniger Beschwerden als Frauen an und beschreiben ihren Gesundheitszustand allgemein als besser".

Bei Frauen wir Herzinfarkt meist zu spät diagnostiziert

Eine zentrale Rolle hat laut den ExpertInnen die Auseinandersetzung mit geschlechtsspezifischen Vorurteilen, durch die auch das Gesundheitswesen geprägt ist. Beispiele dafür sind, dass Frauen eher als Männern psychische Beeinträchtigungen zugeschrieben werden und generell mehr Psychopharmaka an Frauen verschrieben werden als an Männer. Ein gutes Beispiel für die unterschiedliche medizinische Versorgung von Frauen und Männern ist der Herzinfarkt. Diese Erkrankung wird bei Frauen oft zu spät oder falsch diagnostiziert.

Unterschiedliche Lebensbedingungen

"Die Lebensbedingungen sind noch immer stark entlang der Geschlechterachse strukturiert, dies gilt für Bildung, Ressourcen, Lebenswelten und Aufgabenzuteilungen. Sie haben entsprechend unterschiedliche Einflüsse auf die Gesundheit von Frauen und Männern, wobei sich Ungleichheit als Dauerthema erweist", erklärt erklärte Oberärztin Dr. Elisabeth Zemp-Stutz vom Institut für Sozial- und Präventivmedizin. (red)

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