Japans Wirtschaft wächst wieder

7. Juni 2002, 10:57
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Analysten erwarten für laufendes Quartal aber wieder abgeschwächtes Wachstum

Tokio - Nach der Rezession im vergangenen Jahr ist die japanische Wirtschaft in den ersten drei Monaten 2002 erstmals wieder gewachsen. Wie die Regierung am Freitag mitteilte, stieg das Bruttoinlandsprodukt (BIP) dank der deutlich belebten Exporte und gestiegener Verbraucherausgaben zum Vorquartal real um 1,4 Prozent und damit etwas stärker als erwartet. Volkswirte hatten im Schnitt mit einem geringeren Wirtschaftswachstum von 1,3 Prozent gerechnet.

Auf das Jahr hochgerechnet belief sich das japanische BIP-Wachstum auf 5,7 Prozent. Es erreichte damit die höchste Rate seit dem ersten Quartal 2000 und übertraf auch das Wirtschaftswachstum der USA von 5,6 Prozent im Anfangsquartal 2002. Angesichts weiter rückläufiger Investitionsausgaben sehen Volkswirte allerdings noch keine nachhaltige Konjunkturwende in Japan.

Abgeschwächte Wachstumsrate erwartet

Analysten rechnen für das laufende Quartal vielmehr wieder mit einer abgeschwächten Wachstumsrate. "Die Wirtschaft hat sich schneller erholt, als viele erwartet haben", sagte Taro Saito, Volkswirt beim NLI Research Institute. "Aber ich erwarte nicht, dass das starke Wachstum im Quartal von April bis Juni anhält. Es wird viel niedriger sein, vielleicht sogar nahe null", sagte Saito.

Experten wiesen auf die besonderen Schwierigkeiten der japanischen Wirtschaft hin. Das angeschlagene Bankensystem, Strukturprobleme und hohe Arbeitslosenzahlen seien Faktoren, die die Erholung Japans von der schwersten Nachkriegs-Rezession belasteten.

Die Investitionsausgaben von Unternehmen sanken nach Regierungsangaben im ersten Quartal um 3,2 Prozent, nach einem Einbruch um zwölf Prozent im Schlussquartal 2001. Firmen hätten zur Kosteneindämmung vornehmlich auf ihre Lagerbestände zurückgegriffen, anstatt in neue Ausstattung zu investierten, hieß es. Die stärksten Rückgänge seien in der Elektronikindustrie, der Transportbranche und bei Telekommunikationsfirmen verzeichnet worden. Finanzminister Masajuro Shiokawa geht nach eigenen Angaben davon aus, dass Firmen nun neu planen und Investitionen dann nach dem Herbst einsetzen dürften. (APA/Reuters)

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