Erneut Grenzgefechte mit mehreren Toten

7. Juni 2002, 20:00
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US-Vizeaußenminister Armitage: Indien und Pakistan wollen Krieg vermeiden

Neu-Delhi - Ungeachtet neuer US-Vermittlungsbemühungen zwischen Pakistan und Indien ist es am Freitag nach Angaben beider Seiten an der Grenze in Kaschmir erneut zu Gefechten mit zahlreichen Toten gekommen. Bei mehreren Scharmützeln seien acht Zivilisten und mehrere Soldaten getötet worden, teilten Militärs im zwischen Indien und Pakistan geteilten Kaschmir mit. Beide Seiten warfen der jeweils anderen vor, das Artilleriefeuer eröffnet zu haben. Das indische Verteidigungsministerium berichtete von mindestens sieben getöteten pakistanischen Soldaten.

US-Vizeaußenminister Richard Armitage setzte am Freitag in Neu Delhi seine Vermittlungsmission fort. Indien sei entschlossen, einen Krieg mit Pakistan zu vermeiden, sagte Armitage nach einem Treffen mit Premierminister Atal Behari Vajpayee. Die britische Zeitung "Times" berichtete unter Berufung auf den Londoner Verteidigungsminister Geoff Hoon, es existierten bereits Pläne für die Entsendung einer internationalen Beobachter-Truppe in das Konfliktgebiet. Die US-Armee arbeitet nach eigenen Angaben an Plänen zum Schutz ihrer rund 1100 Soldaten in Pakistan.

Die Spannung habe sich auf beiden Seiten etwas gelegt, sagte Armitage nach Gesprächen mit Vajpayee und dem indischen Außenminister Jaswant Singh. Bei einem Besuch in Islamabad am Vortag hatte ihm bereits Pakistans Militärmachthaber Pervez Musharraf versichert, eine friedliche Lösung des Konfliktes anzustreben. Eine Sprecherin des Außenministeriums in Neu Delhi sagte, ihre Regierung erwarte von Pakistan in den kommenden Tagen konkrete Schritte gegen die Einschleusung von Extremisten über die Kaschmir-Grenze.

Noch sei keine Entscheidung gefallen, wie die Waffenstillstandsgrenze kontrolliert und das Eindringen von Moslem-Extremisten unterbunden werden könnten, sagte Armitage. Indien hatte gemeinsame Militärstreifen an der umkämpften Grenze vorgeschlagen. Pakistan, das zurückhaltend auf den Vorstoß Indiens reagierte hatte, zieht die Entsendung internationaler Beobachter vor. Laut "Times" wurde bereits ein Plan zur Stationierung von rund 500 Beobachtern in der Krisenregion an die Regierungen in Indien und Pakistan weitergeleitet.

Der für Sonntag in Indien erwartete US-Außenminister Donald Rumsfeld wird nach Angaben der US-Botschaft in Neu-Delhi erst "einige Tage" später eintreffen. Grund sei der enge Zeitplan, der Rumsfeld unter anderem in die Golfregion führt. (APA/Reuters)

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