Kaprun: Die schwierige Suche nach einem Denkmal

6. Juni 2002, 20:32
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Heuer wird es keine Gedenkstätte für die Opfer der Brandkatastrophe mehr geben

Kaprun: Heuer wird es keine Gedenkstätte für die Opfer der Brandkatastrophe mehr geben Salzburg - Eigentlich sollte die Gedenkstätte für die Opfer der Brandkatastrophe im Tunnel der Stollenbahn auf das Kitz-steinhorn noch heuer fertig gestellt werden. Doch das wird sich voraussichtlich um ein Jahr verschieben, bestätigten Vertreter der Gemeinde Kaprun im STANDARD-Gespräch. Das Denkmal für die 155 Menschen, die im Novem-ber 2000 durch den Brand des Waggons "Kitzsteingams" ihr Leben verloren, soll an der Talstation der Gletscherbahnen errichtet werden.

Im Bahnstollen wurden einfache Metallkreuze angebracht

Derzeit erinnert dort noch ein schlichtes Holzkreuz an das bisher größte Feuerunglück Österreichs, das ab 18. Juni Thema eines mehrwöchigen Prozesses am Salzburger Landesgericht sein wird. Im Bahnstollen selbst sind an der Unglücksstelle einfache Metallkreuze angebracht.

Die Suche nach einem geeigneten Entwurf für die Gedenkstätte gestalte sich sehr schwierig, berichtet die Kapruner SP-Gemeinderätin Erika Scharer. Mit Rücksicht auf die Opfer aus Japan müsse auf jeden Fall eine überkonfessionelle Form gefunden werden. Zudem müssten neben den Angehörigen auch die Kapruner selbst und deren Gäste mit dem Denkmal leben können.

"Wie wir es machen, wird es verkehrt sein"

Scharer, die am Tag der Katastrophe als Einsatzleiterin des Kapruner Krisenzentrums arbeitete und so einen guten Kontakt zu den Hinterbliebenen aufbauen konnte, hat gemeinsam mit Vertretern von Angehörigen eine Arbeitsgruppe gegründet, die einen "kleinen, einfachen Künstlerwettbewerb" vorbereitet.

Bis zum zweiten Jahrestag der Katastrophe - im November dieses Jahrs - soll jedenfalls ein Ergebnis vorliegen. Diskussionen werde es dann aber auf jeden Fall geben, fürchtet sie: "Wie wir es machen, wird es verkehrt sein."

Die Finanzierung ist laut Bürgermeister Norbert Karlsböck (SP) jedenfalls ein "untergeordnetes Thema". Bei der Gemeinde seien für diesen Zweck schon zahlreiche Spenden eingegangen. Laut Scharer hat die Gemeinde das Grundstück für das Denkmal auch schon angekauft.

Wettbewerb unter jungen Künstlern

Die Gletscherbahnen AG, die ursprünglich auch einen Wettbewerb unter jungen Künstlern gestartet hatte, hat sich von der Suche nach einer geeigneten Gedenkstätte zurückgezogen. Dies sei "mit Rücksicht und auf Wunsch der Hinterbliebenen" erfolgt, sagte Unternehmenssprecher Harald Schiffl. (neu, DER STANDARD, Printausgabe 7.6.2002)

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