Erfolge nach zehn Jahren Tempo 30

6. Juni 2002, 20:25
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971 "ersparten" sich schwere Verletzung- 80 Prozent sind dafür aber immer noch halten sich wenige an die Tempogrenze

Graz - Unfälle gibt es weniger, die Leute sind zu 80 Prozent dafür, sie halten sich allerdings nicht immer daran. In Graz gilt seit zehn Jahren flächendeckend Tempo 30, auf Vorrangstraßen dürfen es 50 Stundenkilometer sein.

Zeit, um Bilanz zu ziehen: Die Zahl der Unfälle mit Personenschaden hat sich um 7,6 Prozent verringert, die Zahl der Leichtverletzten hat sich um 3182 reduziert, jene der Schwerverletzten um 971.

Gleichzeitig ist jedoch auf übergeordneten Straßen seit 1996 wieder ein Ansteigen der Unfälle zu verzeichnen. Das Kuratorium für Verkehrssicherheit fordert daher, die 30er-Zonen auszuweiten, der Grazer Planungsstadtrat Franz Josel von den Freiheitlichen winkte am Donnerstag ab.

Graz als Modellstadt

Erste Versuche mit der Einführung von Tempo 30 in Wohngebieten gab es bereits in Hamburg (seit 1984) und Wien (1988). In Graz entschloss man sich jedoch zum umgekehrten Ansatz: Mit 1. September 1992 wurde das gesamte Stadtgebiet zur Tempo-30-Zone erklärt, auf Vorrangstraßen waren weiterhin 50 Stundenkilometer erlaubt. Damit wurden mit einem Schlag zwei Drittel oder rund 650 Kilometer des Grazer Stra-ßennetzes zur Langsamfahrzone.

Der Landesstellenleiter des Kuratoriums für Verkehrssicherheit, Peter Felber, freut sich besonders über die hohe Akzeptanz des Modells. Standen einander zu Beginn Befürworter und Gegner in annähernd gleicher Stärke gegenüber, sind jetzt bereits 80 Prozent dafür.

Einhalten der Geschwindigkeiten

Was allerdings nicht heißt, dass die Geschwindigkeitsbeschränkungen auch eingehalten werden. Vor allem auf Straßen mit Tempo 50 sollen die tatsächlich gefahrenen Geschwindigkeiten stetig gestiegen sein, genaue Zahlen werden im Herbst vorliegen.

Dem will die Stadt nun mit einer einwöchigen Kampagne entgegensteuern. Sie trägt das Motto "Mit Sicherheit gewinnen" und soll 50.000 Euro kosten. Zu gewinnen gibt es Autos auf Zeit und Zuckerlfahrzeuge im Gummibärchen-Design. (red, APA, DER STANDARD, Printausgabe, 7.6.2002)

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