Ein "Restspalt", der Kinder verschluckt

6. Juni 2002, 20:00
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Dreijährige stürzte auf Wiener U-Bahn-Gleise

Wien - "Meine Tochter ist nicht besonders klein. Und herumgeblödelt hat sie auch nicht. Und wenn schon: Was würde das ändern?" Ela N. ist stinksauer. Um es höflich zu formulieren. Gleichzeitig ist Ela N. aber auch - ebenso dezent ausgedrückt - überglücklich. Schließlich ist ihrer dreieinhalbjährigen Tochter Daniela - abgesehen von ein paar Schrammen und einem Schreck - nichts passiert, als sie Mittwochvormittag beim Aussteigen aus der U4 am Schwedenplatz plötzlich im Spalt zwischen U-Bahn und Bahnsteigkante verschwand.

Und zwar ganz: Daniela blieb nicht - was hin und wieder geschieht - mit dem Fuß hängen oder rutschte mit einem Bein ein Stück in den Spalt: Das Kind stürzte, als es mit seiner Kindergruppe ausstieg, auf den Gleiskörper.

FAhrgäste zogen sofort die Notbremse

Dass andere Fahrgäste sofort die Notbremse zogen und ein Mann das Mädchen innerhalb weniger Sekunden wieder durch den Spalt nach oben gehievt hatte, ändert nichts am Entsetzen der Mutter. Auch nicht, dass die Mitarbeiter der Wiener Linien vor Ort innerhalb kürzester Zeit zur Stelle waren und sich sehr fürsorglich und korrekt um die geschockten Kinder und Betreuer kümmerten.

Ela N. zum STANDARD: "So etwas darf es nicht geben. Die Kinder sind - das haben auch die Augenzeugen bestätigt - geordnet ausgestiegen. Das ist eine Gefahrenquelle, an die zu denken mir nie im Leben in den Sinn gekommen wäre."

Sicherheitsrisiko Spalt

Seitens der Wiener Linien zeigte sich deren Sprecher Johann Ehrengruber "vor allem froh, dass das glimpflich ausgegangen ist". Von einem Sicherheitsrisiko möchte Ehren-gruber aber dennoch nicht sprechen: Der Spalt könne nicht breiter als 20 Zentimeter sein, ein Kind müsse "schon sehr zart sein", um da durchfallen zu können.

Der Schwedenplatz verfüge als "alte" Stadtbahnstation über einen in die Kurve gebauten Bahnsteig. Bei neuen Stationen würden ebendiese Krümmungen vermieden, "einen Restspalt wird es aber immer geben". (Thomas Rottenberg, DER STANDARD Printausgabe 7.6.2002)

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